Im Licht der Öffentlichkeit

bis zum 3.4.2016

Von A bis Z – von Kurt Absolon bis Heimo Zobernig – es fehlt wirklich kein bekannter Name österreichischer bildender Künstler und Künstlerinnen aus der Zeit ab 1945 bis heute. Das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck zeigt momentan eine Ausstellung von Kunstwerken, die man sonst nicht so leicht und vor allem in dieser Menge zu sehen bekommt, denn der Untertitel der der Schau lautet: „Österreichische Kunst nach 1945 aus Tiroler Privatbesitz“. Man sollte meinen, dass dieser Titel  eine lokale Einschränkung  der gezeigten Werke und einseitige Auswahlmöglichkeit dessen, was eben privat in Lande vorhanden ist, bedeuten könnte, aber weit gefehlt!

So sind denn insgesamt Werke von 89 Künstlerinnen und Künstlern in akribischer „Detektiv-Arbeit“ zusammengetragen worden, die nicht nur – historisch betrachtet – einen profunden Überblick österreichischen Kunstschaffens der letzten siebzig Jahre präsentieren, sondern auch, und das ist sicherlich in der Vergangenheit noch nicht passiert, jeweils ein Werk  pro Künstler auszustellen, natürlich je nach Möglichkeiten der Provenienz, das charakteristisch für sein Gesamtwerk ist und aus Privatbesitz kommt.

An dieser Stelle sei Dr.Wolfgang Meighörner, der Direktor der Tiroler Landesmuseen, zitiert: „Die Ausstellung will ganz bewusst die Privatsammlungen als ergänzendes Moment in den Fokus stellen. Alle Stücke, die in der Schau zu sehen sind, entstammen privaten Sammlungen und wurden teilweise noch nie öffentlich gezeigt. Sie machen deutlich dass Privatsammlungen einen großen Anteil an der Bewahrung unseres kulturellen Vermächtnisses haben. Kein Sammler, kein Museum kann alleine eine weitgefasste Kunstgeschichte Österreichs nach 1945 leisten. Die Präsentation in Zusammenarbeit kommt dieser Absicht viel näher.“

Professor Peter Weiermair, dem Kurator der Ausstellung, ist es zu verdanken, dass durch viele Recherchen, teils abenteuerliche Empfehlungen und auch Indiskretionen von Galerien und Besitzern in Kleinarbeit, die über ein Jahr währte, jene 89 Werke, teilweise „Schlüsselwerke“ der österreichischen Kunstszene ab 1945 , zusammengetragen wurden. Dass deren Besitzer anonym bleiben wollten, ist wohl selbstverständlich, denn Werke von Alfred Kubin, Maria Lassnig, Hermann Nitsch, Oswald Oberhuber, Arnulf Rainer oder Franz West stellen ja  nicht nur einen kulturellen Wert dar.

In drei Räumen sieht man Malerei, Grafik und Skulptur aus den letzten 70 Jahren, die ausschließlich von österreichischen Künstlern geschaffen wurden. Die Schau ist in verschiedene Abteilungen unterteilt, die Bezug nehmen auf die jeweiligen Haupt-Kunstrichtungen der entsprechenden Jahre. So findet man Teilbereiche wir das Informel, den Wiener Aktionismus, Konzeptkünstler, Figuration und neue Wirklichkeit, die „Jungen Wilden“, Fotografie und Neue Medien sowie Positionen der letzten Jahrzehnte.

Besonders zu erwähnen ist der ausgezeichnete Katalog gleichen Titels zur Ausstellung. Wolfgang Meighörner, Günther Dankl, Peter Weiermair, Anna Fliri und Alexandra Kuttler ist hier ein Werk gelungen, das wissenschaftlich wohl weit über die temporäre Innsbrucker Ausstellung hinausgeht und richtungsweisend für die Darstellung und somit auch Akzeptanz der österreichischen Kunst der letzten 70 Jahr ist.

Text: Dr. Michael Nießen / ka47 | Bild: Tiroler Landesmuseen
Externer Link: www.tiroler-landesmuseen.at

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