Meisterhaft

19. – 21.4.2016 | Dorotheum

Pieter Brueghel II. (1564-1637/38), Die Vogelfalle, Öl auf Holz, 45,5 x 58,3 cm Schätzwert € 700.000-900.000 (Auktion 19. April 2016), © Dorotheum

Große Auktionswoche mit Alten Meistern, Gemälden des 19. Jahrhunderts, Antiquitäten sowie Juwelen

Kunstwerke von hoher Qualität – darunter eine Reihe an bedeutenden Neuentdeckungen – versammelt die große Auktionswoche des Dorotheum: Vom 19. bis 21. April 2016 stehen Gemälde Alter Meister, Malerei und Aquarelle des 19. Jahrhunderts, Antiquitäten und Juwelen auf dem Programm.

Heilig und profan
Eines der bedeutendsten Gemälde der Altmeister-Auktion am 19. April 2016 ist „Die Geburt Christi“, das aus der Werkstatt des Hans Memling stammt, wohl eines des bedeutendsten flämischen Malers des späten 15. Jahrhunderts in der Nachfolge Rogier van der Weydens (Schätzwert € 1.200.000 – 1.800.000). Aus ähnlicher Zeit stammend, aber gänzlich verschieden, präsentiert sich ein vergleichbares italienisches Bild: Jacopo de Sellaios goldgerahmtes Tondo „Heilige Familie mit dem Johannesknaben“ (€ 180.000 – 220.000).

Pieter Brueghels des Jüngeren „Winterlandschaft mit Vogelfalle“, ein winterliches Motiv, das später zu einem der beliebtesten in der Landschaftsmalerei wurde, ist ein weiteres Highlight. Die Idylle auf dem Bild trügt: Das Eis, auf dem sich Menschen bewegen, ist sehr brüchig. Und die Vogelfalle, das drohende Unheil, kann schnell zuschnappen (€ 700.000 – 900.000).

Bedeutende Neuentdeckungen sind in der Auktion ebenfalls zu finden, etwa „Der Heilige Petrus besucht die Heilige Agatha in Gefangenschaft“ aus der Hand des berühmten neapolitanischen Malers Luca Giordano (€ 120.000 – 150.000), sowie die bis dato völlig unbekannte, aus süddeutschem Privatbesitz stammende „Heilige Familie mit der Heiligen Anna“ von Huybrecht Bueckeleer (€ 150.000 – 200.000).

Aus der italienischen Offerte sticht das großformatige Bildnis von „Susanna und die beiden Alten“ von Andrea Vaccaro hervor, ebenfalls ein „Heiliger Hieronymus“ von Giovanni Francesco Barbieri, genannt Il Guercino (jeweils € 100.000 – 150.000). Ein weiteres Top-Werk kommt von Guido Reni, “Der kreuztragende Christus” war bis dato unbekannt, ist bedeutend für die frühe Werkphase des Künstlers und ist eine wichtige Ergänzung seines Oeuvres (€ 400.000 – 600.000).

Johann Georg Platzer demonstriert in der vielfigurigen Allegorie des Kunstdiskurses „Im Atelier des Malers“ im wahrsten Sinne seine ganze Palette an Fähigkeiten, seine Qualitäten in allen Kategorien der Malkunst. Er fügte sein Porträt nach Vorbild des flämischen Ehebildes ein (€ 150.000 – 200.000).

Als begnadeter Figurenmaler erweist sich einmal mehr Hendrik van Balen, der in vielen Fällen die Landschaften von Malern wie Jan Brueghel I. und II., Frans Francken, Frans Snyders oder Joos de Momper staffierte. Im Bild der auf den Metamorphosen Ovids beruhenden mythologischen Darstellung „Minerva zu Besuch bei den neun Musen“ arbeitet van Balen mit Jan Brueghel I. Das Thema war bei den deutschen und niederländischen Manieristen des 17. Jahrhunderts beliebt, da es ihnen die Möglichkeit bot, wie Brueghel-Experte Klaus Ertz schreibt, „weibliche Akte und exotisch gekleidete Frauen in Verbindung mit kostbaren Musikinstrumenten in fantasievollen Szenerien darzustellen“ (€ 300.000 – 500.000)

Grand Tour
Die europäische Malerei des 19. Jahrhunderts steht im Vordergrund der Auktion vom 21. April 2016. Unter den Italien-Veduten glänzt wieder einmal die Serenissima:  Venedig verdankte seine Beliebtheit im 19. Jahrhundert einem Phänomen, das bereits mehr als 100 Jahre vorher seinen Ausgang genommen hatte: Wohlhabende junge Männer aus Nordeuropa setzten ihrer klassischen humanistischen Erziehung einen krönenden Abschluss und begaben sich auf Grand Tour – auf eine Reise nach Italien.

Hatten im 18. Jahrhundert Maler wie Canaletto und Guardi die große Nachfrage nach Venedig-Veduten gestillt, wurde die Tradition der Vedutenmalerei im frühen und mittleren 19. Jahrhundert von Ippolito Caffi hoch gehalten. In seiner Ansicht von Venedig im Mondlicht wird die Stadt zum geheimnisvollen Objekt der Beobachtung (€ 40.000 – 60.000).

Die österreichische sogenannte „Stimmungsimpressionistin“ Tina Blau hielt auf ihrer Grand Tour u. a. den antiken „Arco de Tito Vespasiano“ bei Rom fest, in der Auktion mit 40.000 bis 80.000 Euro beziffert.

Ivan Konstantinovich Aivazovsky, auf dramatische See-Stücke spezialisiert, bietet diesmal einen Blick auf den Bosporus bei Mondlicht (€ 50.000 – 70.000).

Weitere Arbeiten stammen von Marie Egner („Vorgarten mit blühenden Stockrosen“ € 20.000 – 28.000 Euro), Johann Baptist Drechsler („Großes Blumenstillleben mit Schmetterlingen, Glasschale und Weintrauben“ € 40.000 – 60.000), Anton Petter („Spielende Kinder“ € 80.000 – 100.000), oder Alexander Koester („Vier Enten am Weiher“ € 30.000 – 40.000).

Kaiser und Zaren
In der Porzellan-Offerte bei der Auktion am 20. April 2016 finden sich zwei Paar klassizistische Vasen mit farbig gemalten „Angelika Kauffmann-Themen“ der Wiener kaiserlichen Manufaktur, Jahreszahl 1798 (€ 20.000 – 30.000), eine St. Petersburger Porzellanfigur „Katharina die Große“ aus der Zeit um 1874 sowie eine um 1750 entstandene Teedose aus dem Besitz von Zarin Elisabeth (je € 50.000 – 90.000).

 

Text: Dorotheum | Bild: Dorotheum
Externer Link: Dorotheum

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