Artsplash | Filmstart: „Herbert“ aus Leipzig

Artsplash 16.03.2016

Cameo Auftritt von Clemens Meyer als Ringrichter in "Herbert", © Wildbunch Germany

Am Donnerstag, 17. März 2016, startet mit Herbert das viel gelobte Langfilmregiedebüt von Thomas Stuber in den Kinos. Der Film wurde im Frühjahr 2014 in Leipzig und Halle gedreht und von der Mitteldeutschen Medienförderung unterstützt. Seit der gebürtige Leipziger Thomas Stuber 2012 in Los Angeles den Studenten-Oscar für seinen Kurzfilm Von Hunden und Pferden erhielt, gilt er als eines der hoffnungsvollen deutschen Nachwuchstalente im Regiebereich. Der Filmemacher arbeitete wie schon bei Von Hunden und Pferden erneut mit dem gebürtigen Hallenser und in Leipzig lebenden Schriftsteller Clemens Meyer zusammen. Ich kenne Clemens Meyer von der Pferderennbahn, denn er liebt den Galopprennsport und besitzt in der Regel immer selber ein Rennpferd.

Peter Kurth verkörpert eindrucksvoll in "Herbert" einen an ALS erkrankten ehemaligen Boxer, © Wildbunch Germany
Peter Kurth verkörpert eindrucksvoll in „Herbert“ einen an ALS erkrankten ehemaligen Boxer, © Wildbunch Germany

Herbert (Peter Kurth) war zu DDR-Zeiten ein erfolgreicher Boxer und verdient seinen Lebensunterhalt als Türsteher, Geldeintreiber und Boxtrainer. Von seinem Schützling Eddy (Edin Hasanovic) hält er sehr viel. Er erinnert ihn an sich selbst, als er mit dem Boxen begann. Eddy ist die einzige Person, zu der Herbert eine aufrechte Beziehung hat. Seine Gelegenheitsfreundin Marlene (Lina Wendel) behandelt er wie den letzten Dreck und zu seiner Tochter (Lena Lauzemis) hat er den Kontakt schon lange abgebrochen. Sicher würde es in seinem Leben in dieser Routine weitergehen, aber Herbert macht ein Zittern zu schaffen, dass nicht besser wird. Sein Zustand verschlimmert sich derart, dass der Gang ins Krankenhaus unausweichlich ist. Die Diagnose, die er erhält ist niederschmetternd: ALS. Die degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems ist unheilbar. Herbert bleibt nicht mehr viel Zeit, die Dinge, die in seinem Leben schief hängen, zu begradigen. Ein letztes Mal noch will er kämpfen, nicht im Boxring, sondern im richtigen Leben.

Herbert ist keine leicht verdaulich Kinokost und verlangt dem Zuschauer einiges ab. Der Regisseur und sein Autor kennen das Boxmilieu in ihrer Stadt Leipzig sehr genau und beide lieben Tattoos. Von daher ist das Drama höchst authentisch und glaubwürdig. Die bittere Botschaft folgt am Ende, denn wenn die Tochter mit Herberts Enkelin doch noch beim Vater vorbeischauen will, um sich zu versöhnen, ist das Bett bereits abgezogen, sein Hab und Gut in Kisten verstaut.

 

Text: Nadja Naumann | Bild: Wildbunch Germany
Externer Link: Wildbunch Germany

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*