Begemanns Blog | Filmperlen: Wie klaut man eine Million? (1966) | Teil 5

Stil und Person und zwei Hepburns

Welch überragende Bedeutung ganz allgemein im Film der Stil hat, wurde schon kurz gestreift – ich möchte aber noch einmal darauf eingehen. Der Stil, das meint zum einen die Ästhetik des gesamten in Frage stehenden Streifens, seine Ausstattung, seine Farbigkeit, seine bevorzugten Einstellungen, seine Montage usw., aber natürlich auch den Stil, den seine Hauptdarsteller verkörpern. Der Ausdruck „Verkörperung“ ist bewusst gewählt, er ist geradezu verräterisch, weil hier die Verbindung einer letztlich artifiziellen Gestaltung aus Textilien und Accessoires mit der menschlichen Physis sichtbar wird oder man sollte besser sagen, der menschlichen Gestalt, weil in ihr, der Gestalt, das Physische und eben auch das Psychische enthalten ist: die Figur, die Geistigkeit und natürlich auch die Emotionalität, die äußere und die innere Person. Und weil das so ist, kann interessanterweise ein Film ebenso gut einen prägnanten, den Zuschauer berührenden Ausdruck bewirken über die abgerissene Erscheinung einer Figur wie über eine nach Kräften aufgebrezelte: Es muss nur, im obigen Sinne, passend sein! Die Extreme sind augenfällig und immer leicht erinnerlich; am schwierigsten ist wahrscheinlich eine markante Wirkung zu erzielen für eine Figur, die gerade durch ihre (in der Rolle angelegte) durchgreifende Mittelmäßigkeit charakterisiert ist. Aber die weibliche Hauptfigur unseres William Wyler Films „How to Steal a Million“ von 1966 ist natürlich alles andere als mittelmäßig, im Gegenteil, schließlich handelt es sich um keine geringere als Audrey Hepburn – und die war in allen ihren Auftritten eher ziemlich auffällig!

Die Schauspielerin, das sei hier am Rande vermerkt, steht übrigens in keinerlei Verwandtschaftsverhältnis zu Katherine Hepburn: Diese war US-Amerikanerin, die rasante Screwball-Komödie Leoparden küsst man nicht (mit Cary Grant, Regie Howard Hawks, 1938) und vor allem African Queen (mit Humphrey Bogart, Regie John Huston, 1951) zählten in der „klassischen Phase“ des Hollywood-Kinos zu ihren größten Erfolgen; sie starb 2003 im Alter von fast 100 Jahren.

Audrey Hepburn (1929 – 1993) aber hatte britisch- niederländische Wurzeln und kam 1951, zunächst als Theaterschauspielerin in die USA, nach New York. Der Durchbruch im Film (Oscar für die beste weibliche Hauptdarstellerin!)gelang ihr gleich mit der ersten Rolle, der Prinzessin in Roman Holiday, gleichfalls von Wyler, der im deutschen Verleih den etwas dämlichen Titel Ein Herz und eine Krone erhielt. Ihre zierliche, fast elfenhafte Erscheinung war ein dramatischer Gegensatz zu üppigen Kurvenstars wie Marilyn Monroe, oder, wo wir schon von Rom reden, wie Anita Ekberg (im Trevibrunnen sagenhaften Angedenkens in Fellinis Dolce Vita…).

 

Text: Dieter Begemann

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Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!

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