Günter Brus. Störungszonen

12.3. – 6.6.2016 | Martin-Gropius-Bau

Seit Günter Brus (geb. 1938 – lebt in Graz) mit dem Wiener Spaziergang 1965 als „Aktionist“ in der Öffentlichkeit auftrat, hat er ein mannigfaches Œuvre erarbeitet. Es ist die erste Ausstellung des Künstlers in Berlin, wiewohl der Künstler lange Zeit dort lebte und die Kunstszene der Stadt maßgeblich beeinflusste. Die umfassende Schau führt unter dem Titel „Störungszonen“ durch sein Gesamtwerk, setzt aber Schwerpunkte dazu.

Beginnend mit den informellen Arbeiten, wird die aktionistische Zeit in Filmen, Fotos, Dokumenten und zahlreichen Zeichnungen gezeigt und einen lebendigen Eindruck des künstlerischen Umfeldes vermitteln, aus dem die Kunst entstanden ist. Der Wiener Aktionismus hat zu Beginn der 1960er Jahre die Malerei nicht nur in den Objektbereich expandiert, sondern ins Körperliche. Mit den „Selbstbemalungen“, hat Brus entscheidend an der performativen Wende in Literatur und Bildender Kunst mitgewirkt. 1970 findet die letzte Aktion „Zerreißprobe“ in München statt.

Nach einer gerichtlichen Verurteilung zu einer Haftstrafe wegen „Herabwürdigung österreichischer Symbole und Verletzung der Sittlichkeit und Schamhaftigkeit“ in Wien, flieht Brus ins Exil nach West-Berlin. Hier entstehen zwischen 1969 und 1980 nicht nur eminent wichtige Werke mit denen er zur documenta 5, 1972 und nochmals zur documenta 7, 1982 eingeladen wird. Im Restaurant „Exil“ in Berlin- Kreuzberg entstand in den 1970er Jahren ein kreativer Kosmos, der bis heute Auswirkungen in die Künstler- und Intellektuellenszene hat.

Eng mit dieser Zeit sind die Freundschaftsbilder zu sehen. Den Zeichnungen der Künstlerkollegen wie z. Bsp. Arnulf Rainer, Oswald Wiener, Gerhard Rühm u.v.a.m. ist ein eigenes Kapitel der Ausstellung gewidmet. Günter Brus enge Beziehung zur Musik, zur Bühne und seine großen Bilddichtungen werden ausführlich vorgestellt. Die Ausstellung hat retrospektiven Charakter, ohne eine vollständige Retrospektive zu sein.

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