THÉODORE STRAWINSKY: POESIE DES AUGENBLICKS

4.6. – 28.8.2016 | Museen Stade

Das Werk des Malers Théodore Strawinsky (1907, St. Petersburg – 1989, Genf) ist ein faszinierender Bilderkosmos voller stimmungsreich rätselhafter Eindrücke. In der Schweiz und in Frankreich, wo der älteste Sohn des berühmten Komponisten von Igor Strawinsky die meiste Zeit seines Lebens verbrachte, ist sein Œuvre in vielen Ausstellungen gewürdigt worden. Dank der Unterstützung der Fondation Théodore Strawinsky in Genf bietet das Kunsthaus Stade dem Publikum in Deutschland erstmals die Gelegenheit, das Leben und Werk dieses hierzulande viel zu wenig bekannten Künstlers zu entdecken – ein Anlass für die Schweizer Botschafterin in der Bundesrepublik Deutschland, Christine Schraner Burgener, die Ausstellung unter ihre Schirmherrschaft zu stellen.

„Dass Théodore Strawinsky diese späte Ehre zuteil wird, erstmals in Deutschland ausgestellt zu werden, verdient grosse Anerkennung. Ich danke dem Kunsthaus Stade für sein Engagement, das großartige Werk Strawinskys ausserhalb Frankreichs und der Schweiz bekannter zu machen.“, Christine Schraner Burgener

„Ein so meisterhaftes Werk wie das von Théodore Strawinsky erstmals in Deutschland in einer monographischen Schau zu präsentieren, ist für das Kunsthaus Stade ein höchst erfreuliches Ereignis.“ Dr. Sebastian Möllers, Direktor der Museen Stade

Die Ausstellung Théodore Strawinsky. Poesie des Augenblicks zeigt auf drei Etagen rund 90 Werke aus allen Schaffensphasen des Künstlers. Mit seinen präzise komponierten Gemälden – Porträts, Landschaften, Stillleben, Akte, Zirkusmotive und Bilder des Alltags – erweist sich Strawinsky als ein wichtiger Repräsentant der figürlichen europäischen Malerei, der ganz in der Tradition der Moderne steht. Als genauer Beobachter der Realität und Erfinder allegorischer Szenen nimmt er die Strömungen seiner Zeit auf und entwickelt eine Bildsprache von hoher Originalität, die der Neuen Sachlichkeit und dem Magischen Realismus nahesteht. Beherrscht von einer meisterhaften Lichtregie und einer intensiven Farbgebung wirken die dargestellten Szenen wie angehaltene Momente, Traumbilder und mitunter Filmstills inmitten des bewegten 20. Jahrhunderts.

Théodore Strawinsky entwickelte bereits als Kind ein besonderes Zeichentalent, das sich in beobachteten Straßenszenen, fantasievollen Schlachtenbildern und Wiedergaben von Bühnenbildern zeigt. Die Familie Strawinsky stand über das Umfeld des Vaters mit den Balletts Russes und ihrem Impresario Sergej Djagilew im Zentrum der Avantgarde in Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der kreative Esprit dieser umwälzenden Jahre und die Prägung einer intellektuellen, tief in der europäischen sowie russischen Moderne verwurzelten Geisteshaltung formten das künstlerische Schaffen von Théodore grundlegend. Nach 1920 lernte er Künstler wie Georges Braque, Pablo Picasso und André Derain kennen, den er als seinen eigentlichen Lehrmeister bezeichnete. Von 1930 bis 1932 besuchte Strawinsky die Académie des Malers André Lhote. Dieser Vertreter eines naturalistisch-dekorativen Kubismus prägte seine künstlerische Entwicklung in entscheidender Weise. Ab 1930 arbeitete Strawinsky für verschiedene Bühnen und kooperierte mit Schriftstellern. In einer zentralen Werkphase von 1930 bis 1950 beschäftigte er sich mehrfach mit Zirkusmotiven: Seine Darstellungen von Akrobaten, Tänzerinnen, Zirkustieren und Figuren wie dem Pierrot sind vielschichtige Figurenkonstellationen, die Strawinsky zu heiteren und oft auch melancholischen Sinnbildern verdichtet. Diesem eindrücklichen Thema widmet die Ausstellung im Kunsthaus Stade eine ganze Etage. Ab 1942 lebte Strawinsky bis zu seinem Tod in der Schweiz. Er arbeitete als freier Künstler und führte ab 1948 bedeutende Großaufträge für Kirchen vor allem in Holland und Belgien aus. 1987 erblindete Strawinsky und starb zwei Jahre später in Genf.

Die figürlichen Darstellungen Strawinskys zeigen Motive, die sich in ihrer klaren Formensprache an der unmittelbaren Umgebung des Künstlers orientieren und zugleich vom realen Abbild lösen. Sie berühren das Allegorische, Traumhafte und immer wieder Surreale und erzeugen mit jedem Bild einen komplexen, poetischen Augenblick. Über das Zusammenspiel von Bildkomposition, kraftvoller Farbgebung und einer unvergleichlichen Lichtregie entsteht ein sensibles Panorama des Lebens, das sich zwischen Phantasie und Wirklich-
keit, zwischen ästhetischer Auffassung und realistischer Erzählung bewegt.

Anhand einer Auswahl von rund 90 Gemälden und Graphiken aus allen Schaffensphasen (1915-82) zeigt die Ausstellung auf drei Etagen erstmals das Œuvre in Deutschland. Fotografien und Filmaufnahmen aus dem Familiennachlass gewähren zudem Einblicke in die Biographie des Künstlers.

 

Text: Museen Stade | Foto: Museen Stade
Externer Link: Museen Stade

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