Begemanns Blog | Der Stararchitekt wird erfunden

Museumsarchitektur der späten 1970er und der frühen 80er Jahre

Mit dieser radikalen Formsprache, die den technischen Bedingungen Hohn zu sprechen scheint – und die, wie wir gesehen haben, nur um den Preis gigantischen technischen und finanziellen Aufwands in die bauliche Wirklichkeit zu versetzen war, mit dieser, man könnte sagen, begehbaren Bildhauerei, wurde Zaha Hadid schließlich zum Star. Es war dies ein Phänomen vielleicht seit den späten 1970er, den frühen 80er Jahren, dass bestimmte Architekten in den Medien plötzlich als „Stararchitekten“ gehandelt wurden. Das Aufkommen dieses neuen Begriffs ging einher mit dem Museumsbauboom, der seinerzeit weltweit und auch in Deutschland zu beobachten war. War die erste Nachkriegsphase unter dem Zeichen der Wiederherstellung der kriegszerstörten Substanz gestanden, waren in den 1960er Jahren Konzepte des Massenwohnungsbaus und verkehrsmäßiger Erschließung im Fokus, so besann sich nun eine prosperierende Gesellschaft auf Kultur als definierende Macht. Den Rang, den vorzeiten einmal Kirchenbauten innegehabt hatten, bekamen nun die Museen zugewiesen. Das konnten klassische Kunstmuseen sein, der neue Typus medial inszenierter Wissenschaftsmuseen (Hadids Phaeno in Wolfsburg) oder auch Firmenmuseen sein. Der Vitra Campus in Weill am Rhein mit u.a. Hadids Feuerwache wäre da ein frühes Beispiel, die auffälligen Werksmuseen von Daimler Benz und Porsche in Stuttgart neuere Vertreter diese Typs. Für ein Museum, gleich welcher Orientierung, reichte es nicht mehr, „nur“ eine gute Sammlung zu haben, die Häuser bewegten sich von ihrer hergebrachten Aufgabe des Bewahrens und Erforschens zunehmend hin zu einer Stellung im Unterhaltungsbetrieb. Hier nun kam die Architektur passgenau ins Spiel. Spektakuläre Großausstellungen und spektakuläre Bauten: Beides passte wunderbar zusammen, wurde doch allemal Aufmerksamkeit, Medienwirksamkeit und Publikumsinteresse generiert. Die Profilierungswünsche kommunaler oder staatlicher Politiker taten das ihre noch dazu, dass überall anspruchsvolle und auffällige Bauten entstanden, bei denen Inhalt und Baugestalt zusammen zu einer bestens kommunizierbaren „Marke“ wurden. Der „Stararchitekt“ war eine Figur, die notwendig hier erfunden werden musste! Dieser Titel war allerdings durchweg männlichen Vertretern der Branche vorbehalten: Zaha Hadid jedoch war die erste Frau, die es in den diesen illustren Kreis schaffte: Sie wurde zum Medienstar. Dass ihre Persönlichkeit, nun ja, höflich gesagt, etwas sperrig war, dass sie in Interviews auf das Gegenteil eines Schmusekurses mit dem oder den Gesprächspartnern ging, war da kein Hindernis, im Gegenteil!

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Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!

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