ACHTUNG KULTURGUT – Die Sammlung Kunst aus Papier

10.6. – 14.8.2016 | Kunstmuseum Villa Zanders

Die Ausstellung bietet einen Querschnitt aus der Bergisch Gladbacher Sammlung Kunst aus Papier mit Arbeiten von Monika Grzymala, Gregor Hildebrandt, Mischa Kuball, Monika Mazurkiewicz, Robert Rauschenberg, Mimmo Rotella, Simon Schubert, Ignacio Uriarte, Wolf Vostell, Petra Weifenbach u.v.a. mehr.
Das, was Bergisch Gladbach von anderen Städten unterscheidet, ist die mehr als vierhundertjährige Papierindustrie. Ihr verdankt die Stadt ihre Entstehung, und selbst die Existenz des Kunstmuseum Villa Zanders ist ohne die Industriellenfamilie Zanders, die dieses Haus 1873/74 als herrschaftlichen Wohnbau errichtete, nicht vorstellbar. Papier als künstlerisches Material in den Mittelpunkt der Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit des Museums zu stellen, lag also nahe. So entstand im Laufe einer über 30jährigen Sammlungstätigkeit die Sammlung „Kunst aus Papier“. Sie umfasst derzeit rund 400 Arbeiten von internationalen KünstlerInnen seit den 60er Jahren bis heute. Neuerwerbungen aus der jüngsten Zeit belegen die Zeitlosigkeit dieses Materials, das in den Künsten sogar eine deutliche Renaissance erlebt – möglicherweise auch als Gegenreaktion zur zunehmenden Digitalisierung.

Dem allmählichen Verschwinden der Papierwelt in den Büros widmet sich u.a. Ignacio Uriarte (geb. 1972 in Krefeld, lebt in Berlin), der formal strenge Objekte und Installationen in der Nachfolge Konkreter Kunst mit spielerischer Leichtigkeit in die heutige Zeit übersetzt. Simon Schubert (geb. 1976, lebt in Köln) hat die tieferen Dimensionen „banaler“ glatter Papierbögen entdeckt, die er nur durch Faltungen hervorzaubert. Reale Räume verwandeln sich in fantastisch-poetische Objekte, deren Binnenzeichnung völlig entmaterialisiert aus Licht und Schatten zu bestehen scheint.

Das Licht spielt auch eine besondere Rolle in den Papierreliefs von Monika Grzymala (geb. 1970 in Polen, lebt in Berlin). Die plastischen Möglichkeiten handgeschöpften Papiers werden von ihr aufs Äußerste ausgereizt. Gerade wegen der vermeintlichen Vertrautheit des Materials Papier ist es wie kein anderes geeignet, tradierte Material-Wert-Vorstellungen von Kunst in Frage zu stellen. So beschäftigen sich gleich zwei der in der Sammlung vertretenen Künstler, Petra Weifenbach (geb. 1961, lebt in Köln) und Gregor Hildebrandt (geb.1974,lebt in Berlin), mit den verborgenen künstlerischen Qualitäten von Toilettenpapier. Während Gregor Hildebrandt das schnöde Gebrauchspapier in eine fast auratische Dimension überführt, gelingen Petra Weifenbach mit ihren überraschenden Umdeutungen humorvolle Transformationen. Der Perspektivenwechsel ermöglicht auch hier neue Einsichten.

In der abwechslungsreichen Vielgestaltigkeit der Sammlung spiegelt sich die Heterogenität der modernen Kunst, in  der das Individuum Ziel und Maßstab für die künstlerische Arbeit autonom bestimmt. Entsprechend vielfältig sind auch die künstlerischen Techniken. Die Be- und Verarbeitungsmöglichkeiten von Papier, Papiermasse bzw. Karton scheinen grenzenlos: zerreißen, zerschneiden, zerknüllen, zerfetzen, schlitzen, schaben, abschleifen, zerkratzen, durchlöchern, verbrennen, zermahlen sowie schöpfen, kleben, flechten, falten, schichten, stanzen, prägen, stapeln, rollen usw. Innerhalb des ungewohnten formalen Repertoire laufen eingeübte Verabredungsbegriffe wie Bild, Relief, Skulptur ins Leere. Papier ist eben geduldig.

Text: Kunstmuseum Villa Zanders | Foto: Kunstmuseum Villa Zanders
Externer Link: Kunstmuseum Villa Zanders

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