Die neue Skulpturenhalle von Thomas Schütte in Neuss

10.4. – 14.8.2016

Skulpturenhalle, 2014/16 / Foto: Nic Tenwiggenhorn, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Ein Ufo auf der Raketenstation

Lange war sie im Gespräch, nun endlich ist sie da. Manche sagen, dass sie wie ein Ufo auf der Raketenstation gelandet sei. Und tatsächlich sieht die neue Skulpturenhalle von Thomas Schütte wie ein soeben gelandetes Raumschiff aus, auch der Ort ist für eine solche Landung wie gemacht. Während der Bauarbeiten soll es Probleme mit Schaulustigen gegeben haben, die sich auf der Baustelle alles anschauen wollten. Schaulustige, die auch von der frühen Berichterstattung über die Skulpturenhalle angelockt wurden.

Skulpturenhalle, 2014/16 / Foto: Nic Tenwiggenhorn, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Skulpturenhalle, 2014/16 / Foto: Nic Tenwiggenhorn, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Natürlich ist eine Ausstellungshalle, die von einem Künstler privat finanziert wird, ein Thema, über das gesprochen wird. Zwar hat Schütte in NRW mit Tony Cragg einen Kollegen, der ein relativ ähnliches Konzept schon seit Jahren erfolgreich verwirklicht hat und gerade auch noch einmal um eine weitere Halle erweitert, aber die beiden gehen damit schon einen eher ungewöhnlichen, einen sehr unterstützenswerten Weg. Denn beiden gemein ist auch, dass das eigene Werk nicht in einer Dauerschleife gezeigt wird, sondern andere Künstler präsentiert werden. Möglicherweise ist das eine andere Herangehensweise von Bildhauern, die häufig mit anderen Problemen zu kämpfen haben, als die Kollegen von der Flachware: der Transport von schweren Skulpturen, welches Gewicht tragen die Decken, sind die Türen groß genug? Probleme, die einen zusammenhalten lassen.

Mit Neuss hat sich Thomas Schütte das ideale Umfeld für seine Skulpturenhalle ausgesucht. Ein großes Areal, nur der Kunst gewidmet, teilweise sogar explizit der Skulptur. Aber auch für die neuen Nachbarn ist die Skulpturenhalle ein Glücksfall: Sie passt sich gut ein, ein neues Glanzstück auf der vorherigen Brache. Aber vor allem auch ein neuer Anziehungspunkt, denn gerade an Arbeitstagen platzt das Areal vor Besuchern nicht aus allen Nähten … Ein weiterer Anziehungspunkt für Touristen und Kunstbegeisterte kann auch den anderen Häusern helfen. Immerhin befinden sich dort die Langen Foundation, das FeldHaus und das Museum Insel Hombroich um nur die wichtigsten zu nennen.

Die erste Ausstellung in der Skulpturenhalle ist Mario Merz (1925 – 2003) gewidmet, dem Hauptvertreter der Arte Povera. Thomas Schütte sagt dazu, dass er nur Künstler ausstellt, die er schätzt, deren Werk er mag. Mario Merz, den Schütte auch persönlich kannte, stellt er auch deswegen aus, weil der Kunstmarkt ihn zu wenig wahrnehme. Ganz anders, als Schütte selbst, was aber auch gut so ist, da erst sein Erfolg auf dem Kunstmarkt den Bau und die Finanzierung der Skulpturenhalle ermöglicht!

 

Text: kunst:art 49/Mathias Fritzsche | Bild: Thomas Schütte Stiftung
Externer Link: Skulpturenhalle Thomas Schütte

Über Mathias Fritzsche 70 Artikel
Ein Thema jagt das nächste: Der Wochengipfel hält ein oder zwei Themen fest und bringt sie in Erinnerung. Was war vergangene Woche so wichtig, dass man Schnappatmung bekam und ist diese Woche dennoch schon vergessen? Oder über welche Nachricht hat man sich so gefreut, dass man auf den Balkon ging und die Nachricht für die ganze Welt in den Abendhimmel geschrien hat?

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