Der Berg ruft – Grand Tour durch die Alpen im Kunsthaus Zug

11.6. – 14.8.16 | Kunsthaus Zug

Vom 11. Juni bis am 14. August lädt das Kunsthaus Zug zu einer Doppelausstellung, die sich der Schweizer Bergwelt widmet. Zwei Künstler nähern sich dem Thema auf ganz unterschiedliche Weise: Der in Zug geborene Martin Peikert (1901 – 1975) hat die touristische Erschliessung der Alpen mit seinen Plakaten beworben und geprägt. Agnieszka Kozlowska (geb. 1985 in Gdynia, Polen) geht in ihrer Arbeit zurück zu den Ursprüngen des Bergsteigens in den Schweizer Alpen. Ihre fragilen Fotoobjekte umschliessen das Werk Peikerts als Klammer.

Kaum einer hat unser Toursimusbild hierzulande geprägt wie er: Der Plakatkünstler, Reklamemaler und Grafiker Martin Peikert. Er ist in Zug geboren und aufgewachsen. Hier machte er sich beruflich selbstständig. Lange Zeit lebte und arbeitete er auch in der Romandie. Er gehört einer Generation von Werbe- und Plakatgestaltern an, die das Tourismusbild der Schweiz massgeblich geprägt haben.

Gut einhundert Jahre nach der Erstbesteigung der Alpen zeigen seine Tourismusplakate der 1930er bis 1960er Jahre eine idealisierte Bergwelt, einen Ort ohne Gefahren und Risiken, voll Lebensfreude, technischer Erneuerungen und sportlicher Aktivitäten. Heiter und leicht transportiert Peikert die Betrachter seiner Plakate per Eisenbahn, Sessellift oder Gondel mitten in ein alpines Panorama, das prototypisch für Glanz und Lebenslust steht. Der klare grafische Aufbau und die Verwendung stilisierter Frauenfiguren unterstreichen die dynamische Verdichtung seiner touristischen Botschaft. Die eleganten Botschafterinnen stehen für den Tourismusboom seit den 1950er Jahren, als für immer grössere Kreise eine Reise in die Höhe erschwinglich wurde.

Die Ausstellung präsentiert über 70 Plakate – einschliesslich Originale und Beispiele aus der Werbung – in ihrer ursprünglichen Funktion. Geplottet und auf Plakatständer aufgezogen, kann der Besucher den Zeitzeugen frei flanierend begegnen.

Hoch hinauf mit Agnieszka Kozlowska

Mitten in Peikerts luftige Höhen tritt das Werk Agnieszka Kozlowskas. Mit Carved by Light beleuchtet sie die bahnbrechende Epoche des Alpinismus: Die polnische Künstlerin interessiert sich für die Erstbesteigungen der höchsten Schweizer Gipfel, sie tritt mit ihrer Arbeit auf der Zeitachse einen Schritt hinter Peikert zurück. Ihr Material sind die Aufzeichnungen und Berichte der Abenteurer, ihre Herangehensweise spiegelt ein Interesse insbesondere am Weg und nicht etwa am Moment des Ankommens. Es ist ein tiefes Erleben unserer physischen Existenz und das langsame Zurückgewinnen des alpinen Erfahrungsraumes fernab der Tourismusindustrie.

Zu Fuss bringt sie ihre selbst gefertigte Kamera mit enormer Optik hoch oben in den Bergen an und lässt die Zeit für sich arbeiten. Tagelang bleibt die Kamera stehen. Falls ein neugieriger Wanderer diese bewegt, eine Gämse sie umwirft, ist alles verdorben. In der Kamera befindet sich eine lichtempfindliche Platte aus Polymeren. Wirken UV-Strahlen auf die Platte, härtet sich das Material aus, die weichen unbelichteten Stellen lassen sich abwaschen. Das Resultat sind zarte, fragile Fotoobjekte.

Kozlowska bringt jeden Dienstag neue Fotografien, die in der Woche zuvor entstanden sind, in die Ausstellung. Am eigens eingerichteten Arbeitsplatz, der Bestandteil der Ausstellung ist, durchkämmt sie in wissenschaftlicher Akribie historische Textdokumente und Materialien der Erstbesteiger, vermisst Topografien auf Landkarten und hört Tonspuren ihres eigenen Atems beim Wandern ab.

Fernab der Tourismusindustrie, die Peikert so leichtfüssig und beschwingt in seinen Plakaten darstellt, setzt Kozlowskas Bergwelt, deren Ruhe und Kraft, einen Kontrapunkt.

Carved by Light entsteht als Kooperation mit der internationalen Plattform FORECAST und dem Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Das Projekt wird unterstützt von der Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Polnischen Institut in Berlin und dem Adam Mickiewicz Institut in Warschau.

Die Ausstellungen wurden von Dr. Matthias Haldemann und Barbara Ruf kuratiert.

 

Text: Kunsthaus Zug | Foto: Kunsthaus Zug
Externer Link: Kunsthaus Zug

 

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