Pauline Beaudemont Ausstellungsreihe für junge Kunst

30.4. – 7.8.16 | Aargauer Kunsthaus

Träume und Utopien bilden den Subtext vieler von Pauline Beaudemonts (*1983) Arbeiten. Für ihre CARAVAN-Ausstellung richtet sie in den Sammlungsräumen des Aargauer Kunsthauses ein surreal anmutendes Setting ein, in dem goldene Schnecken die Protagonisten einer Videoinstallation sind.

Herzstück von Pauline Beaudemonts Projekt für die CARAVAN-Reihe im Aargauer Kunsthaus ist eine mehrteilige Videoarbeit, deren Hauptakteure Schnecken mit golden bemalten Gehäusen sind. Hegte die Künstlerin immer schon eine Vorliebe für diese eigentümlichen Weichtiere mit ihrer mobilen Behausung, so widmet sie ihnen nun ihre neueste Videoarbeit und nimmt damit zugleich Bezug auf das CARAVAN-Thema. Auf fünf vertikal ausgerichteten Monitoren sehen wir die Schnecken gemächlich über ein Papier kriechen, wobei sich aus den Spuren, die sie dabei hinterlassen, ganz langsam eine abstrakte Malerei hervortut. In einer Reihe nebeneinander gehängt, haben die Videos die Wirkung von Gemälden, die sich im Zeitlupentempo verändern.
Mit den goldenen Schnecken nimmt Pauline Beaudemont Bezug auf eine Episode in Joris-Karl Huysmans Fin-de-siècle-Roman A Rebours (Gegen den Strich). Als „Bibel der Décadence“ gehandelt, erzählt Huysmans darin die Geschichte des exzentrischen Aristokraten Jean Floressas Des Esseintes. Eine Parabel für den krankhaften Ästhetizismus der Hauptfigur ist die Riesenschildkröte, die sie sich als Schmuck für seinen Perserteppich zulegt, sie jedoch derart mit Gold und Juwelen verzieren lässt, dass das Tier daran stirbt. Des Esseintes prunkvoller Schildkröte stellt Pauline Beaudemont die Schnecken mit den goldenen Häusern gegenüber.

Die Videoinstallation leitet über zur räumlichen Intervention, mit der sich Pauline Beaudemont in die Sammlungssäle im Obergeschoss einnistet. Bezugnehmend auf den Dandy Des Esseintes, der sich mit unzähligen Büchern und Kunstwerken umgibt, schafft die Künstlerin eine Art Salon der Kontemplation. Darin stellt sie ausgewählten Werken aus der Sammlung eigene skulpturale Arbeiten gegenüber, die den Anschein machen, eine Sitzgelegenheit zum Betrachten der Werke zu sein.
Vieles in Pauline Beaudemonts Installation – die versonnene Atmosphäre, das Motiv der Schnecke, die Unberechenbarkeit derer „Malspuren“ oder auch die Auswahl der Sammlungswerke – weist auf das anhaltende Interesse der Künstlerin für das Traumhafte, Unterbewusste, Abgründige und Surreale hin. Ihre Arbeit handelt von den „Grauzonen“ der Geschichte und Kultur, von Aussenseiterfiguren, kuriosen Begebenheiten, gesellschaftlichen und architektonischen Utopien, kulturellen Clashs und vielen weiteren Themen.

Pauline Beaudemont, geboren 1983 in Paris, lebt und arbeitet in Paris. 2011-2013 Master Arts visuels an der HEAD, Hochschule für Kunst und Design Genf, davor Bachelor Visuelle Kunst an der ECAL, Lausanne.

 

Text: Aargauer Kunsthaus | Foto: Aargauer Kunsthaus
Externer Link: Aargauer Kunsthaus

 

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