Emil Nolde – Das Spätwerk

1.3. – 30.11.2016 | Nolde Stiftung Seebüll

Das 60. Stiftungsjahr ist Anlass und Ansporn, Emil Nolde noch tiefer und weiter zu erschließen. Auch 60 Jahre nach seinem Tod wissen wir längst noch nicht alles über ihn und sein Werk. In diesem Sinne ist die Stiftung immer wieder und aufs Neue bemüht, den Künstler und seine Kunst in seiner Zeit differenziert und authentisch darzustellen. Erstmals und wirklich umfassend wird in der diesjährigen Jahresausstellung im Nolde Museum Seebüll das Spätwerk Emil Noldes gewürdigt. Er ist einer der herausragenden Künstler, der zu der Entwicklung der modernen Kunst in Deutschland entscheidend beigetragen hat. Trotzdem wurde seinem Spätwerk in den vergangenen Jahrzehnten kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Nolde selbst hat seine Schaffensphasen nie genau definiert. Er fing bekanntlich auch erst relativ spät an zu malen, und seine Bildthemen waren bis ins hohe Alter mehr oder weniger gleich.

Künstlerischen Spätwerken wird aufgrund von Wiederholungen und der Rückwärtsgewandheit mancher Künstler oftmals ein nicht unproblematischer Status zugesprochen. Auch Nolde ist sich selbst treu geblieben, hat sich aber im Laufe der Zeit – langsam und für viele kaum sichtbar – auf seinen früheren Werken aufbauend weiter entwickelt. Allerdings sind viele Bilder von ihm erst entstanden, nachdem der von Nolde wesentlich geprägte Expressionismus durch neue Kunstrichtungen abgelöst worden war. Die Kunstwelt hat den späten Nolde bisher eher unterschätzt. Seine Entwicklung in den dreißiger und vierziger Jahren folgt der Vereinfachung bzw. Heraushebung des für ihn Wesentlichen, nämlich dem Stimmungsgehalt hinter den jeweiligen Darstellungen. Das Aufregende und Dramatische des Expressionisten Nolde wandelt sich ins Epische manchmal sogar ins Romantische, er wird weicher und stiller. Seine Inspirationen kommen nicht mehr allein aus der Natur, und er verwendet häufiger seine kleinformatigen “Ungemalten Bilder“ und “Bildskizzen“ als Vorlagen. Allein zwischen 1945 und 1951 entstehen so noch über 100 Ölgemälde. Das inhaltlich bildnerische Vokabular seiner Figurenbilder, der Meere, Landschaften und Blumen und insbesondere die Intensität seiner leuchtenden Farben zeigen die große Stärke des Malers auch in seinem Spätwerk, präsentiert in der neuen umfassenden und einmaligen Jahresaustellung der Nolde Stiftung Seebüll.
„Ich male manches u. meine Bilder entstehen in Farben glühend-jung, oft mich selbst überraschend.“ Emil Nolde, 1947

Text: Nolde Stiftung Seebüll | Foto: Nolde Stiftung Seebüll
Externer Link: Nolde Stiftung Seebüll

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