Alexandra Bircken – STRETCH

1.10. – 27.11.16 | Kunstverein Hannover

Mit der Ausstellung »STRETCH« präsentiert der Kunstverein Hannover eine umfassende Werkschau der Künstlerin Alexandra Bircken (*1967, lebt in Köln), die sowohl frühe als auch neue ortsspezifische Arbeiten umfasst.

Das Experiment mit dem Material sowie der Körper als Ausgangspunkt sind grundlegende Parameter ihrer skulpturalen Arbeit. Die Haut als Bekleidung, als Organ und zellulare Struktur, aber auch als Grenze zwischen Innen und Außen bildet den Initiator für die Entwicklung der vielschichtig gearbeiteten
Werke der Künstlerin.

Materiell sind ihre Objekte geprägt von unterschiedlicher, oftmals kontrastierender Beschaffenheit: Gipsmodellagen, Wachse, Fragmente von Schaufensterpuppen und Kleidungsstücke, die als Körperteile zum Einsatz kommen, sowie mit Wolle verdichtete Strukturen werden als Versatzstücke miteinander verwoben. Ihre Arbeiten bestechen einerseits durch eine auratisch geladene Materialitätspräsenz und erinnern andererseits an den menschlichen Körper und dessen Schutzhüllen – sei es in stofflicher oder auch architektonischer Art und Weise. So erinnert beispielsweise das »Walking House« (2016) an ein archaisches Baumhaus oder – wie bereits im Titel angelegt – an ein modulares, sich vermeintlich bewegendes Domizil. Demgegenüber stehen weiche, fließende Formen, wie etwa ein grobmaschiges Wollgewebe bzw. Ornament mit dem Titel »Cocoon Club« (2016), um nur zwei Beispiele der rund sechzig Arbeiten der Ausstellung »STRETCH« im Kunstverein Hannover zu nennen.

In »STRETCH« tauchen über den Ausstellungsparcours verteilt diverse an menschliche Figuren erinnernde Skulpturen auf, die auf Treppen drapiert, stehend oder liegend dem Besucher gegenübertreten. Diese figurativen Arbeiten werden in Bezug gesetzt zur Maschine, als vom Menschen erschaffene Apparatur oder Machtinstrument. Die Dominanz- und Schutzbehauptung von Motorradkleidung, -rädern oder Waffen wird durch Verletzungsspuren – etwa in den aus Motorradbekleidungen gefertigten Figuren – thematisiert, und Maschinen, Waffen sowie zwei Motorräder werden durch Schnitte dekontextualisiert.

Erstmalig sind in der Ausstellung im Kunstverein Hannover frühe Objekte und Skizzen zu sehen, die sich an der Schnittstelle von Mode und Kunst verorten. Mit dem Shop »Alex« (Köln) begann 2003 die künstlerische Arbeit Birckens, die zuvor eine Ausbildung zur Modedesignerin am St. Martins College in London absolviert hatte, wo sie lange lehrte und sich u. a. mit ihrem eigenen Label »Faridi« einen Namen machte. Bereits ihre frühen Accessoires lassen ein künstlerisches Interesse an Objekthaftem und Räumlichem erkennen.

Alexandra Bircken blickt auf zahlreiche Ausstellungen zurück und entwickelte dementsprechend für Hannover große, orstsspezifische Interventionen, die das Zusammenspiel von Mensch und Maschine sowie Figur oder Roboter im Raum beleuchten. Der Ausstellungsparcours als eine eigene Welt aus Protagonisten und
Formwandlungen lässt uns uns selbst und unsere Relation zu Welt und Zeit thematisieren.

Alexandra Birckens Werke wurden bereits in musealen Ausstellungen, wie etwa im Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam (2014), in The Hepworth Wakefield (2014) gezeigt. Zuvor stellte sie im Kunstverein in Hamburg (2012) sowie im Studio Voltaire in London (2011) oder im Kölnischen Kunstverein (2010) aus. Die im Kunstverein Hannover präsentierte Ausstellung »STRETCH« wird anschließend in veränderter Form im Museum Abteiberg in Mönchengladbach (2017) zu sehen sein.

 

Text: Kunstverein Hannover | Foto: Kunstverein Hannover
Externer Link: Kunstverein Hannover

 

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