Bühnenreif 1. Akt (1900–2016)

23.9.16 – 23.4.17 | arp Museum

Aus Anlass des 100-jährigen Dada-Jubiläums stellt das Arp Museum Bahnhof Rolandseck in zwei aufeinander bezogenen Ausstellungen das Thema der Bühne in der Bildenden Kunst vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart in den Mittelpunkt. Denn für die Dadaisten war die Bühne im »Cabaret Voltaire« Ausgangspunkt ihres erweiterten Kunstbegriffs.

Dr. Oliver Kornhoff, Direktor des Arp Museums Bahnhof Rolandseck, erklärt die Zielsetzung der Doppel-Ausstellung »Bühnenreif 1. und 2. Akt«: »Wir möchten den Vorhang aufziehen, um den regen Austausch zwischen Schauspiel, Theater, Oper und Ballett auf der einen sowie Malerei, Skulptur, Grafik, Performance-, Installations- und Videokunst auf der anderen Seite zu beleuchten. Das wechselvolle Verhältnis von Bild und Bühne wird in den beiden Ausstellungen im jeweiligen historischen Kontext umfangreich und gattungsübergreifend gezeigt.«

Den Auftakt bildet hierbei die Präsentation »Bühnenreif 1. Akt (1900 – 2016)«, die Arbeiten von der klassischen Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst umfasst. Anhand von 85 Exponaten von 35 Künstlerinnen und Künstlern, darunter Bühnenmodelle, Kostüme, Installationen und Videoarbeiten sowie Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen,werden die Bezüge zwischen darstellender und bildender Kunst facettenreich vorgestellt. Ein von Birgit Ramsauer mit einer akustischen Reise durch den Richard Meier-Bau konzipierter Audioguide geleitet die Gäste der Ausstellung durch den Berg bis nach oben in den Neubau. Im ersten Tunnel stellt ein Video des integrativen australischen Back to Back Theatre die Verbindung zur Ausstellung »Andere Wirklichkeiten« im Bahnhof her, die Kunst von Menschen mit seelischen und geistigen Beeinträchtigungen zeigt.

Im Neubau angekommen stehen am Anfang der Ausstellung vom Bauhaus, aber auch vom Futurismus und Konstruktivismus beeinflusste Bühnenentwürfe und -modelle von Alexandra Exter, Piet Mondrian, Vladimir Tatlin, Andor Weiniger und anderen. Die dramaturgische Bedeutung der Bühne, mit Vorder- und Hinterbühne, wird in einer für die Ausstellung konzipierten Installation des Kölner Künstlers Claus Richter befragt. Mit dem Wechselverhältnis zwischen Theater, Malerei und Zeichnung setzen sich Thomas Huber in einem Gemälde und Nadja Schöllhammer mit einer groß angelegten installativen Zeichnung sowie Cut-Outs, die gleich einem Bühnenbild in den Raum hinein wuchern, auseinander. Schöllhammers Arbeit lädt die Besucherinnen und Besucher dazu ein, durch sie hindurch zuwandern und sie so partizipativ zu erfahren.

Weitere bedeutungstragende und wirkmächtige Elemente auf der Bühne sind Kostüme und Masken, aber auch der schauspielerische oder tänzerische Ausdruck des Darstellenden in Mimik, Gestik und Körpersprache. So werden Kostüme von Markus Lüpertz und Kostümentwürfe von Georg Grosz und Alexandra Hopf gezeigt, aber auch ein eindrückliches Video mit maskierten Tänzerinnen von Reut Shemesh. Ausdrucksstudien in den Videoarbeiten von Bill Viola oder von Arnulf Rainer übermalte Fotografien berühmter Schauspieler setzen in diesem Themenfeld starke Akzente.

In Anknüpfung an Sophie Taeuber-Arps herausragende Marionetten wird der Aspekt der Puppe auf der Bühne anhand von Marvin Gaye Chetwynds unheimlichen »Gatekeepern«, einst Teil einer ihrer Performances, oder dem faszinierenden digitalen Marionettentheater von Torsten Jurell gezeigt. Irmel Droeses Setting aus zwei Stühlen und einer großen Puppe wird darüber hinaus in einem dazugehörigen Video verlebendigt. Eine Verbindung zur Filmkunst stellt ein eindrucksvolles Video von Marcel Dzama her, das im Kabinettraum präsentiert wird.

Die Ausstellung »Bühnenreif 1. Akt« wird kuratiert von Jutta Mattern, die erläutert warum diese Ausstellung im Arp Museum Bahnhof Rolandseck ihren idealen (Bühnen)-Raum findet: »Der berühmte französische Pantomime Marcel Marceau bezeichnete den Bahnhof Rolandseck in seinem Manifest von 1969 als ‚Theater, in dem sich alle Künste vereinen‘. Genau das leistet diese Ausstellung, indem sie nicht nur kunsthistorische Einblicke gewährt, sondern zugleich als Erlebnisraum konzipiert ist und den Betrachter als Akteur unmittelbar mit einbezieht. So etwa in der realen, eigens von der Künstlerin Isa Melsheimer für die Ausstellung gebauten und tatsächlich bespielbaren Bühne ist die Ausstellung zugleich ein realer Theaterraum, der während der gesamten Ausstellung als solcher genutzt wird.«

In vielen der versammelten Kunstwerke fungiert das Bühnengeschehen als Abbild von Gesellschaft in seinen sozialen und politischen Aspekten. Die Werke mit partizipativem Charakter werden zu Verhandlungsorten von Gegenwart, andere wiederum bieten Räume für Leidenschaften, Wünsche und Ziele der Akteure. Hier schließt nahtlos das umfangreiche Begleitprogramm der Ausstellung mit einem besonderen Mini-Dada-Festival, inklusiven Angeboten sowie vielfältigen Führungen und Workshops an.

 

Text: arp Museum | Foto: arp Museum
Externer Link: arp Museum

 

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