Florian Hecker – Formulations

26.11.16 – 5.2.17 | MMK Frankfurt

Die Ausstellung „Florian Hecker. Formulations“ im MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main ist eine Kooperation mit der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Deutschen Bundesbank. Sie findet im Rahmen der EUROPA-KULTURTAGE der EZB-Deutschland 2016 statt.

Florian Hecker (*1975) hat in den vergangenen Jahren ein einzigartiges Werk geschaffen, das international bereits mit einer Vielzahl von Ausstellungen, Performances und Konzerten gewürdigt wurde. „Auf konsequente Weise verbindet er in seiner Arbeit die Bereiche der bildenden Kunst, Musik und Performance, um etablierte Grenzen aufzuheben und neue Ausdrucksformen und Wahrnehmungsmöglichkeiten zu eröffnen. Mit dieser Arbeitsweise passt Florian Hecker sehr gut in das Programm des MMK, in dem wir einen transmedialen Ansatz verfolgen“, sagt Prof. Dr. Susanne Gaensheimer, Direktorin des MMK.

Die Ausstellung im MMK 3 zeigt 15 bestehende und zwei neue Arbeiten aus dem Zeitraum von 2004 bis 2016. Im Hauptraum des MMK 3 hat der Künstler 16 Werke raumspezifisch arrangiert, die über die Dauer eines gesamten Ausstellungstages, in minutiös gesetzten Choreografien, inszeniert sind. Parallel dazu wird die Arbeit „Modulator“ (2012) in einem eingebauten Raum im Erdgeschoss gezeigt.

Florian Hecker arbeitet mit synthetischem Klang, der durch Prozesse digitaler wie elektroakustischer Signalverarbeitung generiert wird. Kompositionsentwicklungen der Nachkriegsmoderne und Wissen aus Audiologie und Psychoakustik dienen ihm als Ausgangspunkte für sein abstraktes wie materielles Werk. Das modulare Lautsprechersystem ist eine skulpturale Intervention im Ausstellungsraum und zugleich eine funktionale Wiedergabeapparatur. Die Lautsprecher sind als materielle Bestandteile präsent und werden vom Künstler in der Architektur des Ausstellungsraums bewusst positioniert.

Hecker arrangiert komplexe Stücke als mehrkanalige Installationen, die den Besuchern im MMK 3 begegnen und ihnen ganz subjektive Erfahrungen ermöglichen. Sie sind in stringenter Nüchternheit angelegte und mehrdimensional inszenierte Kompositionen. Die Besucher erfahren dabei am eigenen Körper, wie die individuelle Wahrnehmung vom Zusammenspiel der akustischen Resonanz, dem Klangobjekt und dem eigenen Empfinden abhängt. Durch das aktive Hören werden psychische und physische Vorgänge ausgelöst.

Für die Ausstellung im MMK 3 konzentriert sich Hecker auf eine Auswahl von Werken, für die die Konzepte der Synthese, Analyse und Resynthese zentral sind. Klang wird dabei auf der Grundlage seiner qualitativen und quantitativen Eigenschaften analysiert, formalisiert und anschließend reproduziert. So entstehen Reproduktionen kompletter Arbeiten oder synthetische Replika vereinzelter Sound-Charaktere, aus denen der Künstler seine Stücke kreiert. In „Synthetic Hinge“, eine eigens für die Ausstellung im MMK 3 produzierte Arbeit, sind neben dem computergenerierten Ton auch die Sprecherstimmen in Avatare gewandelt worden. Eine weitere neue Arbeit „Modulator (Scattering Transform)“ (2016) folgt dieser Verfahrensweise durch eine 14-stufige Resynthese der bestehenden Arbeit „Modulator“ (2012) und bietet eine entsprechende Vervielfachung des Verständnisses von Klangfarbe.

„Neben dieser Verarbeitung von Sound zur veränderten Wahrnehmung ist auch die psychophysische Dimension, die Art und Weise, wie Sound sinnlich rezipiert und neurologisch verarbeitet wird, ein Kernthema in Heckers Schaffen. Die Wahrnehmung von akustischen Werken ist subjektiv und abhängig von dem physischen Standort des Rezipienten, der akustischen sowie visuellen Perspektive, von persönlichen Neigungen, der Aufmerksamkeit und den Bezugspunkten, die in ihm individuelle Assoziationen auslösen“, so Anna Goetz, Kuratorin der Ausstellung. Viele von Heckers neueren Arbeiten sind in dreifachen Symmetrien angelegt, so beispielsweise „2×3 Channel“ (2009), „Affordance“ (2013) oder „Hecker Leckey Sound Voice Chimera“ (2011). Bewusst wird der Rezipient dabei von Hecker mit drei inhaltlich differenzierten, wie räumlich versetzten Soundquellen konfrontiert und so dazu animiert, sich durch den Raum zu bewegen und bereits Gehörtes zu erinnern, denn nur in dieser Parallelität ist das Stück als Ganzes zu erfassen.

In seinen Installationen, Performances und Tonträger-Veröffentlichungen widmet sich Florian Hecker den Grenzen und Möglichkeiten der Produktion und Aufnahme von Klang. Er fordert die Erwartungshaltung und die Wahrnehmungsgewohnheit im Kontext zeitgenössischer Kunstrezeption heraus, indem er durch artifizielle Klangobjekte, Fragen zu Performance, Konzeptkunst und Skulptur dramatisiert, abstrahiert und reformuliert.

 

Text: MMK Frankfurt | Foto: MMK Frankfurt
Externer Link: MMK Frankfurt

 

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