Susan Philipsz – Returning

10.12.16 – 26.2.17 | Kunstverein Hannover

Die schottische Künstlerin Susan Philipsz (*1965, lebt und arbeitet in Berlin) hat in den vergangenen Jahren zahlreiche eindrucksvolle Sound-Installationen in öffentlichen und institutionellen Räumen entwickelt. Seit über zwei Jahrzehnten beschäftigt sich die in Glasgow geborene und 2010 mit dem Turner Prize ausgezeichnete Künstlerin mit der Umgestaltung und Interpretation musikalischer Quellen vor dem Hintergrund ortsspezifischer Gegebenheiten. Die gelernte Bildhauerin erkundet mittels eigener Stimme oder instrumentaler Kompositionen in ihren Werken die räumlich-skulpturalen Qualitäten von Klang und dessen emotionale wie kognitive Wirkung. Existentielle Themen wie Trauma und Trauer wurden in zahlreichen ihrer jüngsten Werke verhandelt, u. a. in der Ausstellung »Part File Score« (2014) im Hamburger Bahnhof, »War Damaged Musical Instruments«, Tate Britain (2015/2016), London, oder »Night and Fog« (2016) im Kunsthaus Bregenz.

Mit Referenz auf Emil Berliner (1851–1929), der mit seinen Brüdern 1898 in Hannover die Deutsche Grammophon Gesellschaft gegründet hat, nutzt Susan Philipsz im Kunstverein erstmals Vinyl-Schallplatten als Tonträger. Hierfür wurden für sieben Schallplatten auf Glasrändern erzeugte Klänge eingespielt, die jeweils einen Notenwert der suggestiven Komposition »Lachrimae or Seven Tears« (1604) von John Dowland wiedergeben und das Motiv der Träne sowie die barocke Klage über die Vergänglichkeit des Glücks variieren. In weiteren neuen Klanginstallationen bezieht sich Philipsz ebenfalls auf regional-geschichtliche Hintergründe; so arbeitet sie u. a. mit Orgelpfeifen einer historischen Synagogenorgel, welche die Reichspogromnacht überstanden hat und sich seit 2011 in der Villa Seligmann (Hannover) befindet. Zugleich führt sie ihre Beschäftigung mit im Krieg beschädigten Instrumenten mit einem Schofar (Widderhorn) fort. Beide Klangkompositionen lassen die menschliche Präsenz spürbar werden und thematisieren Facetten der deutsch-jüdischen Geschichte.

Im zirkulären Ausstellungsparcours entfalten und verzweigen sich die Klänge ortsbezogener Arbeiten, treten in Verbindung mit fotografischen und filmischen Werken und lassen ein eindringliches Geflecht aus Klang und Raum, Vergangenheit und Gegenwart entstehen.

 

Text: Kunstverein Hannover | Foto: Kunstverein Hannover
Externer Link: Kunstverein Hannover

 

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