Sieben Särge – Gerhard Rossmann

5.5. - 4.6.17 | cubus Kunsthalle

Das erste Sargobjekt entstand im Frühjahr 2014. Inzwischen sind es sieben geworden. Ihren eigentlichen Bestimmungszweck haben die Erdmöbel verloren. Stattdessen wurden aus handelsüblichen Särgen künstlerische Beiträge zum Thema, Sterben, Tod und Glauben. Verantwortlich für solcherlei Transformationen ist Gerhard Rossmann, bis Mitte 2014 noch Mitherausgeber bei einem mittelständischen Verlag. Jetzt stellt er in Duisburg aus.

Um Räume oder vielmehr um die Interpretation derselben geht es dem Künstler bei seinen Arbeiten. „Ein Sarg stellt das Minimum von Behausung dar. Ein Raum für die Verwesung und die Auflösung. Dieses mit Erinnerungen und Emotionen geladene Volumen ist für mich vielfältiger Projektionsraum für die künstlerische Reflexion über Sterben, Tod, Glauben und Gesellschaft“. Allein vier seiner Erdmöbel beschäftigen sich mit Religion. Seine Stilmittel erinnern an Modelleisenbahnlandschaften und traditionelle Krippenarrangements in den Kirchen zur Weihnachtszeit. Der Sarg mit dem Titel „Das jenseitige Tal“ beinhaltet eine idyllische Landschaft à la Allgäu mit einem kleinen Flüsschen. Sieht so das Paradies aus? Oder der Sarg „Die Himmelfahrt“. Ein Hubschrauber wartet auf diejenigen, die auf einer Treppe der Totenlade entsteigen. Wer jetzt annimmt der Künstler sei ein gläubiger Zeitgenosse, liegt verkehrt. Rossmann zitiert zur Charakterisierung seines Standpunktes Karl Marx. „Religion ist Opium des Volkes“. Ein  Glaube sei an die Existenz des lebenden Körpers gebunden und reines Menschenwerk. Dies gelte für die fünf Weltreligionen und die weltweit an die 670 Kirchen, Kulte und weltanschaulichen Bewegungen, so der ehemalige Verleger. „Bis dass der Tod uns scheidet“, heißt konsequenterweise daher ein Sarg mit religiösen Insignien, deren Präsentation an die Zurschaustellung von Reliquien erinnert. Formal etwas aus der Reihe scheint „Blackbox“ zu fallen. Der Sarg wird dominiert von einem Original Flight Recorder aus einer ukrainischen Antonow. Getragen wird der orangefarbene Recorder von einer schweren Granitgrabplatte mit einem Zitat aus Nietzsches Religionskritik „Der Tod Gottes wird ausgerufen.“ Nähert sich der Besucher der Totenlade sind anschwellende Herzschläge zu hören, die nach einiger Zeit wieder verstummen. Gegen den Vorwurf, der Sarg sei von seiner Intention etwas makaber, wehrt sich der Wuppertaler. Er bezeichnet die letzten aufgezeichneten Minuten eines Menschen als „etwas besonders Dramatisches und Erhabenes“.
Auf die Frage, warum es gerade sieben Särge geworden sind, nennt er mehrere Gründe. Die Zahl „Sieben“ habe eine besondere Bedeutung. „Gibt es nicht sieben Tugenden, sieben Laster, sieben Sakramente oder das Siebeneck als häufige Grabkapellenform? Und sollen nicht Muslime sieben Mal die Kaaba in Mekka umschreiten?“ Außerdem gab es pragmatische Gründe für das Machbare. Eine große Hilfe für das Projekt waren die Sargspenden und die Zuarbeiten des Wuppertaler Bestattungsunternehmen Zocher. Entscheidenden Anteil an der Qualität der Objekte hat auch der Ronsdorfer Designer und Modellbauer Christian Ose, der unter anderem im Rahmen von Kulturhauptstadt RUHR.2010 mehrere Modelle für Ruhratoll auf dem Baldeneysee umsetzte.

Seine neuesten Arbeiten, die erstmals präsentiert werden, beschäftigen sich mit Sternenstaub als Ausgangs- und Endprodukt des Menschen. Außerdem ist ein zehn Meter breites Wandbild mit der Darstellung aller jemals gestorbenen 100 Milliarden Menschen in Form von Sarg-Icons zu sehen. Farbzuweisungen stellen verschiedene Todesursachen dar.

 

Text: Gerhard Rossmann | Foto: Gerhard Rossmann
Externer Link: Gerhard Rossmann

 

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