Culture Cuts – Cody Choi

9.4. – 18.6.17 | Kunstsammlungen Chemnitz

Die Kunstsammlungen Chemnitz am Theaterplatz präsentieren vom 9. April bis zum 18. Juni 2017 in einer Retrospektive etwa 80 Kunstwerke des Koreaners Cody Choi (*1961) aus den Jahren 1986 bis 2015. Der Künstler vertritt 2017 Korea auf der 57. Biennale von Venedig. Neben Gemälden, Zeichnungen, Fotografien und Skulpturen sind Installationen, Collagen, Objekte, Medien- und Neonkunstwerke zu sehen.

Cody Choi setzt sich in seinem über drei Jahrzehnte reichenden Werk mit bewunderten Künstlern der europäischen und amerikanischen Kunst auseinander. Er eignet sich diese allseits bekannten Ikonen an, indem er deren Motive und Aussagen verfremdet, ironisch bricht und mitunter auch ad absurdum führt. In seinen Arbeiten thematisiert der Künstler in verschiedensten Techniken die medial und kulturell produzierten Konflikte zwischen Ost und West. Er diskutiert dabei auch die fortschreitende Verwestlichung asiatischer Länder, die aus deren aufstrebenden Marktwirtschaften resultiert. Kunstwerke von Leonardo da Vinci, Michelangelo, Edouard Manet, Auguste Rodin, Pablo Picasso, Vincent van Gogh, Mike Kelley, Gerhard Richter und anderen werden von ihm reflektiert und in ihrer ästhetischen Aussage und Langzeitwirkung hinterfragt. Cody Chois Werke sind vor allem durch einschneidende Ereignisse in seinem Leben begründet. Der Künstler verlor früh seine beiden Schwestern, was zur Entfremdung von seiner Mutter führte. Die Familie emigrierte aufgrund politischer Entwicklungen in Korea und des damit einhergehenden Verlustes von Wohlstand und Prestige in den 1980er-Jahren in die Vereinigten Staaten. Die tiefgreifenden Erfahrungen von Trennung und Entwurzelung führten bei Choi zu einer psychischen Krise. Der Künstler verarbeitet diese Einschnitte, die „cuts“, formal in seinem Werk. Dabei spielt sowohl die Auseinandersetzung mit seiner Psyche, seinem Körper und seinen Ausscheidungen als auch mit Ikonen der Kunstgeschichte eine bedeutende Rolle. Arbeiten wie „Cody’s Legend vs. Freud’s Shit Box“ und „The Thinker“, die Auguste Rodins berühmte Skulptur imitieren, zeigen das beispielhaft. Die Körper der Denker sind aus Schichten von in Pepto-Bismol getränktem Toilettenpapier zusammengesetzt. In der Shit Box darunter nimmt der Künstler bisweilen nackt selbst Platz, wobei er die Haltung des westlichen Toilettengangs nachahmt. Mit dieser Serie und der Reihe „Episteme Sabotage“ verfolgt Choi eine kulturelle Provozierung und Neucodierung. Sie sind zugleich Ausdruck seines Gefühls der Befremdung gegenüber einer anderen, ihm unverständlichen Kultur und dieser Kultur bzw. Gesellschaft ihm gegenüber. So verweist der Titel „Yel Low Ass“ unter Vincent van Goghs „Sonnenblumen“ auf eine erniedrigende Bezeichnung für Asiaten („yellow ass“). Auch das Gemälde „Episteme Sabotage – Flower From East“ spielt auf den Konflikt zwischen westlicher und östlicher Kultur an. Cody Choi wurde in Seoul/Korea geboren und lebt nach Stationen in Los Angeles und New York wieder in Seoul. Er wird zur Pressekonferenz und Ausstellungseröffnung anwesend sein. Die Ausstellung wird ergänzt durch eine Präsentation historischer koreanischer Kunst aus dem Museum für Ostasiatische Kunst Köln.

 

Text: Kunstsammlungen Chemnitz | Foto: Kunstsammlungen Chemnitz
Externer Link: Kunstsammlungen Chemnitz

 

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