El Lissitzky – Kabinett der Abstrakten

18.2. – 31.12.17 | Sprengel Museum Hannover

Das Sprengel Museum Hannover hat eine neue Rekonstruktion von El Lissitzkys Kabinett der Abstrakten (1927) errichtet. Der Raum, der bis 1937 im Provinzial-Museum in Hannover existierte, steht nicht nur für eine bedeutsame Etappe der hannoverschen Museumsgeschichte, sondern gilt als ein Hauptwerk des russischen Künstlers und Meilenstein in der Entwicklung der Ausstellungsarchitektur

1926 entwarf er im Auftrag von Alexander Dorner, Direktor der Landesgalerie im Provinzial-Museum Hannover, einen neuartigen Demonstrationsraum für zeitgenössische Kunst, der schon damals als zukunftsweisendes Experiment überregionale Beachtung fand und bis heute im Fokus kunsthistorischer Forschung steht. Lissitzky erfand eine komplett neuartige Form, Kunst zu zeigen. Er verglich den Demonstrationsraum mit einer Art Schaukasten, auf der jedes Werk zu seinem eigenen Recht und zur besten Geltung kommen sollte. Das moderne Ausstellungsdisplay mit Lamellenwänden und beweglichen Elementen zielte auf die Aktivierung des Besuchers und die Reflektion seiner Wahrnehmung. Die Gestaltung sollte keine private Salondekoration sein, sondern einen Standard aufstellen für Räume, in denen der Allgemeinheit neue Kunst gezeigt wird. Ausgestellt waren im Kabinett abstrakte Werke von Kubisten und Konstruktivisten wie Fernand Leger, Piet Mondrian, El Lissitzky und Friedrich Vordemberge-Gildewart. Der Originalraum wurde im Zuge der Zerschlagung der Moderne durch die Nationalsozialisten 1937 zerstört und in Erinnerung an Dorners Wirken erstmals 1968 vom Niedersächsischen Landesmuseum rekonstruiert. Der neue Nachbau ist am selben Ort in der Sammlung nun der Öffentlichkeit wieder dauerhaft zugänglich. Er versucht, das ursprüngliche Kabinett in seiner architektonischen Beschaffenheit, der Farbigkeit und Beleuchtung so präzise wie möglich zu rekonstruieren: so gibt es wieder zwei Zugänge (statt bisher nur einer Tür), einen schwarzen Linoleumboden (statt eines hellgrauen Teppichbodens), eine Decke und Fensterverkleidung aus Nesselstoff (statt eines Kunststoff-Gitters und eines Plexiglas-Kubus) und eine buntfarbige statt einer bisher schwarz-weiß-grauen Bemalung der Rahmenleisten.

 

Text: Sprengel Museum Hannover | Foto: Sprengel Museum Hannover
Externer Link: Sprengel Museum Hannover

 

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