I AM A PROBLEM – Inszeniert von Ersan Mondtag

23.9.17 – 18.2.18 | MMK Frankfurt

Bettina Rheims: Karen Mulder with a very small Chanel bra, 1996, Courtesy Bettina Rheims, Foto: Axel Schneider

Selfie-Hype, Veggie-Boom, Schönheits-OPs und Fitnesswahn – was ist eigentlich unser Problem? In Zeiten von grotesker Selbstoptimierung und allgegenwärtigem Leistungsdruck lädt die Ausstellung „I AM A PROBLEM“ zu einer furiosen Reise durch die Hochebenen und Niederungen menschlicher Existenz ein. Inszeniert vom viel beachteten Jung-Regisseur und Bühnenbildner Ersan Mondtag entfaltet sich im Ausstellungsraum eine düstere und zugleich aufreizende Parallelwelt, in der Werke aus der Sammlung des MMK zu Protagonisten einer Erzählung werden und miteinander in Dialog treten.

Den Ausgangspunkt für Mondtags Inszenierung bildet ein Mythos um Maria Callas (1923–1977). Um ihre Traumfigur zu erreichen, soll sich die weltberühmte Opernsängerin mit einem Glas Champagner einen Bandwurm einverleibt haben. Der Legende nach führte der Parasit innerhalb kurzer Zeit zu einem erstaunlichen Gewichtsverlust von 50 Kilogramm. Callas‘ kompromissloses Bestreben, die eigene Erscheinung nach ihren Idealvorstellungen zu formen, sowie dessen Kehrseite, die Auflösung des eigenen Körpers, bilden die Leitmotive der Ausstellung.

Ein szenischer Parcours verwandelt das MMK 2 in einen Bühnenraum mit verschlungenen Pfaden, auf denen uns Grenz- und Doppelgänger, stille Rebellen und gescheiterte Existenzen begegnen. Die inszenierten Werke reichen von Andy Warhols „Kellogg’s Cornflakes Box“ über eine neue raumgreifende pneumatische Skulptur von Plastique Fantastique bis hin zu jüngsten Erwerbungen des MMK, wie Will Benedicts titelgebendes Musikvideo „I AM A PROBLEM“. Es sind die teils zaghaften, teils renitenten Gesten des Widerstandes, denen Ersan Mondtag in den Werken nachspürt und die er zu den modernen Anti-Helden seiner Erzählung werden lässt.

Mit Texten des Autors Thomaspeter Goergen – eingesprochen von Ensemblemitgliedern des Hamburger Thalia Theaters – verleiht Mondtag den Werken eine Stimme und lässt diese zu Darstellern ihrer eigenen Sehnsüchte und Ängste werden. Meist im Widerstreit kreisen ihre Dialoge um existenzielle Themen des Menschseins, wie die Transformierbarkeit der eigenen Identität, das Streben nach Perfektion oder die Vergänglichkeit der organischen Materie.

Mondtags Inszenierung offenbart, wie die Metamorphosen des Körperlichen zu Sinnbildern für private und gesellschaftliche Auflösungserscheinungen werden. Das Streben nach Perfektion führt ultimativ zu Aggression, Fanatismus und Gewalt. Denn wer bereit ist, sich selbst zu opfern, der ist auch bereit, andere zu opfern.

 

Text: MMK Frankfurt | Foto: MMK Frankfurt
Externer Link: MMK Frankfurt

 

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