Ehrung eines Kunst-Mäzenen. Kunstsammlung Jena ehrt Botho Graef zum 100. Todestag

3.9. – 19.11.2017 | Kunstsammlung Jena

Erich Heckel, Gelbe Segel, 1913.

 

von Nadja Naumann //

 

 

Der Wahl-Jenenser Botho Graef (1857 – 1917) wurde in eine bekannte Künstlerfamilie in Berlin hineingeboren. Sein Vater Gustav war ein anerkannter Historien- und Porträtmaler und seine Mutter Franziska war ebenfalls eine Malerin. Graef selber studierte Philologie und Klassische Archäologie in Berlin und Greifswald. Durch seine Schwester Sabine Lepsius, die mit dem Maler Reinhold Lepsius verheiratet war, bekam er in Berlin Kontakt zum George-Kreis und pflegte neben der Liebe zur Kunst auch die zur Literatur. Ab 1904 bis 1917 lehrte Graef an der Universität Jena Klassische Archäologie und Kunstgeschichte. Ein Glücksfall für die Stadt in Thüringen, denn Graef verhalf ihr nicht nur zu Kunstwerken von Ferdinand Hodler, August Rodin und Henry van de Velde, er fungierte ebenso als Mentor des 1903 gegründeten Jenaer Kunstvereins.

Seit 1992 wird an Gedenken dieses großen Kunstmäzen aller fünf Jahre der Kunstpreis der Stadt Jena für zeitgenössische bildende Kunst verliehen, der mit 5.000 Euro dotiert ist.
Unter dem Ausstellungstitel Es gibt nur ein Programm: Freiheit! ehrt die Kunstsammlung Jena nun den 100. Todestag von Botho Graef. Der Kunstliebhaber hatte ein großes Herz für die Künstler seiner Zeit gehabt, verbunden mit den richtigen Kontakten und finanziellen Mitteln.

Die Kunstsammlung Jena orientiert sich bei der Ausstellung vor allem an den Künstlern, über die Graef – insbesondere Rezensionen – zwischen 1904 und 1917 regelmäßig für die Tagespresse geschrieben hat. Zu den ausgewählten Künstlern gehören unter anderem Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluft, Max Pechstein, Otto Müller, Adolf Erbslöh, Cuno Amiet und Ferdinand Hodler. Graef war aber in Sachen Kunst alles andere als einseitig, sondern vielmehr neugierig und offen den regionalen und jungen Künstlern gegenüber. Daher finden sich in der Schau Arbeiten von Erich Kuithan, Helene Czapski-Holzman, Frida Mentz-Kessel, Charles Crodel und Christian Natter.
Im Zentrum der Ausstellung stehen die Werke des Expressionismus.

Graef hatte ein untrügliches Gespür für herausragende zeitgenössische Kunst und er warb dafür, aktuell Kunstwerke zu erwerben, die zu jenem Zeitpunkt zwar auch nicht gerade für ein kleines Geld zu haben waren, aber bei gutem Willen seitens der Stadt erschwinglich waren. 1913 kaufte die Stadt Jena erstmals Werke an, der Grundstein für eine Sammlung moderner Kunst. Wenig später folgte die Gründung einer Galerie. 1918 erhielt sie, nach dem Tod von Botho Graef, eine Schenkung von 260 grafischen Werken von Ernst Ludwig Kirchner. Graef und Kirchner waren zu Lebzeiten eng befreundet gewesen. Für den Künstler war der Professor eine Art väterlicher Freund, den er sehr oft malte. Emil Nolde verdankte ihm, dass er im Jenaer Kunstverein ausstellen konnte. Man darf nicht vergessen, dass die Künstler, deren Werke heute auf Auktionen Millionen erzielen, damals mit ihrem unangepassten Stil nicht gerade in Geld schwammen und auf die Hilfe von Mäzenen angewiesen waren.

 

Text aus der kunst:art 57

 

Es gibt nur ein Programm: Freiheit!
3.9. – 19.11.2017, Kunstsammlung Jena
Markt 7, D-07743 Jena
Tel.: +49-3641-498261
Di, Mi + Fr 10 – 17 Uhr, Do 15 – 22 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 4 €, erm. 3 €
www.kunstsammlung.jena.de

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