Ein gemütlicher Lebemann. – Anton Kolig im Leopold Museum Wien

22.9.2017 – 8.1.2018 | Leopold Museum

Anton Kolig, Selbstbildnis in blauer Jacke, 1926.

 

von Dr. Michael Nießen //

„Das gibt dann auch ein wunderbares Leuchten der Farben und einen milden Glanz wie seidige Stoffe.“ Anton Kolig, Dezember 1945

Einfach nur so, nur allein durch den Namen als Titel bringt das Leopold Museum Wien nach mehr als fünfzig Jahren erstmalig in der österreichischen Museumsgeschichte die große Retrospektive des malerischen Werkes eines des wohl interessantesten, bemerkenswertesten und auch wohl in der öffentlichen Wahrnehmung vernachlässigten Künstlers der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück ins Bewusstsein all jener, die sich – als ein Beispiel genannt – am eher schmalen Œuvre eines Richard Gerstl nicht satt sehen können. Es scheint Aufgabe und Programm des Leopold Museums zu sein, manchmal Vergessenes einem breiteren Publikum erneut nahe zu bringen. Und das ist dem Kurator der neuen Ausstellung, Franz Smola, Mitglied des Leopold-Museum-Teams, höchst erfolgreich gelungen.

Anton Kolig lebte von 1886 bis 1950. Zur Welt gekommen ist er in Neutitschein im damaligen Mähren und gestorben in Nötsch in Kärnten. Zwischen diesen dürren Angaben liegt das  hochinteressante Leben eines Malers –, denn Kolig war in allererster Linie Maler. In der Kaiserzeit geboren, in der Zeit nach 1900, also in der Spätblüte der Kunst des 19. Jahrhunderts, erhielt er seine  Ausbildung in Wien. Unter anderem mit Oskar Kokoschka, der einer seiner Studienkollegen war, sowie zusammen mit seinem Freund Franz Wiegele, dessen Schwester Kolig 1911 heiratete. So kam die Übersiedlung ins Kärntner Gailtal zustande. Er war Kriegsflüchtling des Ersten Weltkriegs, dessen Ausbruch Kolig mit seiner Familie während eines Studienaufenthalts in Frankreich erlebte und der  eine wirkliche Zäsur war, nicht nur in künstlerischen, sondern auch in wirtschaftlichen Belangen. Denn immerhin hatte es Kolig neben Schiele und Kokoschka in Wien zu einem durchaus einträglichen Ansehen gebracht. In der Zwischenkriegszeit war Kolig mit und durch den Architekten Josef Hoffman und Clemens Holzmeister bekannt geworden, denn er hatte ihm etliche Aufträge zukommen lassen. Nicht minder relevant war die Freundschaft mit Richard von Schaukal, oder die persönliche Förderung durch Carl Moll. Des weiteren etablierte er sich durch Auftragswerke für Bertha von Zuckerkandl, Marie Gutheil-Schoder, um dann endlich einer Professur an der Stuttgarter Kunstakademie, die er von 1928 bis 1943 inne hatte, zu erlangen.

Die Nazi-Zeit überstand er teils durch Anbiederungsversuche, teils durch die Hinnahme von zerstörerischer Kritik, die seine Fresken im Klagenfurter Landhaus 1930 als „entartet“ abstempelten. 1943 wurde er pensioniert und zog mit seiner Familie wieder nach Nötsch ins Gailtal. Dort ereilte ihn dann der  große Schicksalsschlag: Nötsch wurde im Dezember 1944 bombardiert, Koligs Haus total zerstört, er und seine Frau wurden aus den Trümmern schwer verletzt geborgen, sein Malerfreund Wiegele kam bei der Zerstörung seines Ateliers ums Leben. Kolig wurde zwar von den Folgen der Verletzungen halbwegs wiederhergestellt, konnte aber nur mehr mit Krücken gehen und nur im Sitzen malen.

Diesen Schaffensraum umfasst die Schau mit Gemälden, Zeichnungen, sowie Entwürfen zu nicht ausgeführten Werken, als auch ergänzend mit Briefen von Kolig und zeitgenössische Fotografien aus seinem Umkreis. All dies möge zudem als wissenschaftliche Aufarbeitung betrachtet werden, teils dargelegt in einem ausführlichen Katalog.

 

Text aus der kunst:art 57

Anton Kolig
22.9.2017 – 8.1.2018, Leopold Museum
MuseumsQuartier Wien, Museumsplatz 1
A-1070 Wien
täglich 10 – 18 Uhr, Do 10 – 21 Uhr
Eintritt: 13 €, erm. 8 – 9,50 €
www.leopoldmuseum.org

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