Surreale Wirklichkeit – Marc Chagall im Kunstmuseum Basel

16.9.2017 – 21.1.2018 | Kunstmuseum Basel

Marc Chagall, Der Jude in Hellrot (Le juif en rose), 1915, 100 x 80.5 cm; Öl auf Leinwand. © Staaliches Russisches Museum, St. Petersburg.

 

von Greta Sonnenschein //

 

Wenn einer beinahe 100 Jahre gelebt hat und dabei noch so schaffensfreudig war wie der Künstler Marc Chagall, dann bleibt es nicht aus, Schwerpunkte seiner Arbeit zu setzen, um für den Museumsbesuch bestmöglich Anreize zu schaffen und dabei dem Œuvre gerecht werden zu können. Dieses wird nun im jüngst neugebauten Zubau des Kunstmuseums Basel mit der Ausstellung „Chagall – Die Jahre des Durchbruchs 1911-1919“  unternommen.

Geboren wurde Marc Chagall als Sohn einer jüdischen Arbeiterfamilie mit dem klingenden Nachnamen Schagalow 1887 im russischen Kaiserreich, dem heutigen Weißrussland, in der Nähe von Witebsk. Nach seinem Studium in St. Petersburg zog es ihn nach Paris. Und obwohl sich Chagall in der französischen Metropole anfänglich nicht wohlfühlte, wusste er – nicht nur da die russische Kunst dort weit mehr geschätzt wurde als in seiner Heimat –, dass er um seiner Entwicklung willen in Paris bleiben musste. Sukzessiv fand er Gleichgesinnte, die einander Inspiration und Diskussionsforum boten. Dabei erhielt Chagall Anerkennung von seinen Freunden und Kollegen wie den Avantgardisten Robert Delaunay, Amedeo Modigliani oder dem Dichter Guillaume Apollinaire, die ihn als „Chagall le poète“ beschrieben. Dazu trug wohl auch Chagalls Inspiration durch das besondere Licht in Paris und die Umsetzung in seinen farbintensiven Werken bei. Darüber hinaus bestärkte Chagalls Mut zur Farbe die Auseinandersetzung mit den Fauvisten und, ebenso seiner Zeit entsprechend, die Beschäftigung mit dem Kubismus. Deshalb wusste der Maler, dass Paris der Ort war, der seine Entwicklung nachhaltig prägte. Eine weitere Entwicklung ergab sich im technischen Sinne. Mit der Gouache-Technik entdeckte Chagall die Möglichkeit, seine Bilder fortzuschreiben. So fanden spontane Improvisationen mit angesetzten Deckfarben ihren Weg auf Papier und konnten dann mit dem Einsatz von Wasser weiter gezeichnet werden.

Chagalls Heimatverbundenheit zu Witebsk galt sein Leben lang als künstlerische Inspiration, was auch immer wieder anhand von folkloristischen Motiven deutlich wird (Die Hochzeit von 1911 mit russischen Elementen). Gleichzeitig vermochte er Elemente von Paris, jenem Ort seiner Entwicklung, geschickt mit einzuflechten. So zum Beispiel, indem er die erlebte und geschätzte Volkskunst mit den Eindrücken aus der Großstadt verbindet. In seinen Bildern ist ebenso immer wieder der Eiffelturm zu finden. Konkret dieses Monument ist für Chagall ein Synonym für die Freiheit.

Durch seine Freundschaft zu Apollinaire war Chagall mit dem Berliner Kunsthändler Herwarth Walden bekannt und kam 1913 für eine Ausstellung nach Berlin. Von dort aus war es nach Witebsk nicht mehr weit. Durch den Kriegsausbruch und die Oktoberrevolution war Chagall die nächsten Jahre an seine Heimat gebunden. Auch diese Eindrücke lebten in seinen Werken fort. Dabei gelang es ihm, das Alltägliche durch seine besondere Verfremdung „wunderbar“ erscheinen zu lassen. Und obwohl seine Motive surreal anmuten, sucht Chagall die Wirklichkeit greifbar zu machen.
Die Ausstellung erzählt seine Geschichte und ist dabei Teil unserer Geschichte, jener von 1911 bis 1919, damals von Paris bis Witebsk.

 

Text aus der kunst:art 57

 

Chagall. Die Jahre des Durchbruchs 1911–1919
16.9.2017 – 21.1.2018 , Kunstmuseum Basel
St. Alban-Graben 8, CH-4010 Basel
Tel.: +41-61-2066262
Di – So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 20 Uhr
www.kunstmuseumbasel.ch

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