Action-Painting in Eis. – Kristalline farbige Eisfelder von Philipp Messner

Neues Museum Nürnberg, auf dem Klarissenplatz | 5.12.2017 – 14.1.2018

Schneekanonen im Einsatz. VG Bild-Kunst.

 

von Dr. Milan Chlumsky //

 

Nein, es sind keine Wolken, von den Romantikern gemalt oder von den ersten Fotografen wie Gustave le Gray oder Charles Marville aufgenommen. Denn die Maler malten, was sie sahen, und die Fotografen fotografierten. Diese mussten lange warten, bis sich in Fontainebleau, über den Champs de Mars oder in der Normandie genügend Protuberanzen aufbauten (und möglichst wenig bewegten), um sie auf ein Salzpapier oder eine mit Kollodium beschichtete Glasplatte aufzunehmen. Gut zweihundert Jahre wurden die Wolkenformationen als eine von den Menschen nicht beeinflussbare Realität wahrgenommen. Doch dann begann man sich zu fragen, ob es möglich wäre, den wiederkehrenden Hagelstürmen mit Hilfe des in die Wolken katapultierten Silberjodids Herr zu werden – meistens mit sehr ungewissem Ausgang. Es ist nach wie vor schwierig vorauszusagen, wie und wo sich aus dem Wasserkonzentrat Hagelkörner bilden, die große Schäden in der Landwirtschaft verursachen.

Doch die Verbindung von beiden Ideen führte in der Wissenschaft zu weiteren Erfindungen, in denen es galt, das Unvorhersehbare und nicht Steuerbare möglichst völlig auszuschalten oder zumindest einzudämmen – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Erst die Erfindung der verschiedenen Cloud-Technologien in der Computertechnik führte zum Umdenken – das Virtuelle lässt sich hier steuern und beherrschen.

Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die Installation „Clouds“ des 1975 in Bozen geborenen Künstlers Philipp Messmer, der bei Michelangelo Pistoletto, dem Meister der Arte Povera, studiert hat. Zunächst gibt es das Berechenbare: die aus dem Skisport bekannten Schneekanonen bilden Schneekristalle aus dem zugeführten Wasser und erzeugen so künstlichen Schnee. Es reicht Farbpigmente, in das zugeführte Wasser hinzuzufügen, und schon entstehen stufenhaft kristalline Farbflächen. Zunächst kommt es zu farbigem partikelhaften Wasserstaub, der sich in farbigen Eisnebel verwandelt, bevor er dann als farbiger Schnee auf den Boden fällt.

Bei seinen ersten Versuchen, die Messner in seinem Heimatort in den Dolomiten unternahm, kamen ihm die in den 1990er Jahren installierten Schneekanonen zur Hilfe, die mittlerweile bis in das Tal führen. Als er erste Versuche machte, war er vom dem Ergebnis völlig fasziniert: „Ich war umgeben von einer völlig beschneiten Landschaft, und als ich dort mit farbigem Schnee arbeitete, hatte ich das Gefühl, jetzt wird dieser Kunstschnee als solcher echt, weil er sich jetzt neben dem Naturschnee voll und ganz als künstlich zeigt, völlig unverstellt.“ Das zunächst Virtuelle wurde Realität. Und was in den Bergen schon funktionierte, soll nun auf dem Klarissenplatz in Nürnberg ebenfalls klappen.

Es gibt aber auch das Unberechenbare: Zu starker Wind erlaubt keine eindeutigen Farbenabgrenzungen und das Ganze funktioniert erst bei entsprechender Kälte ab drei Grad Celsius abwärts. Denn erst dann kann sich der kalte Schneenebel bilden, andernfalls bleibt die Wasserzufuhr zu und die blauen, gelben und roten Pigmenten unberührt, der Klarissenplatz schneefrei. Das Schnee-Actionpainting ist dann nicht mehr möglich, und das Virtuelle bleibt virtuell.

 

Philipp Messner. Clouds
Neues Museum Nürnberg, auf dem Klarissenplatz, 5.12.2017 – 14.1.2018
Eingang Klarissenplatz, D-90402 Nürnberg
Tel.: +49-911-2402069
24 Stunden zugänglich
Eintritt frei
www.nmn.de

 

Text aus der kunst:art 58

 

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*