Ein unangepasster Einzelgänger. – Kunstsammlungen Chemnitz ehren Johannes Grützke

bis zum 14.1.2018 | Kunstsammlungen Chemnitz, Museum Gunzenhauser

Johannes Grützke, Selbst, 1998. Foto: Kunstsammlungen Chemnitz/PUNCTUM/Bertram Kober. VG Bild-Kunst.

 

von Nadja Naumann //

 

Zum zehnjährigen Bestehen des Museums Gunzenhauser ehren die Kunstsammlungen Chemnitz einen höchst eigenwilligen Künstler: Johannes Grützke der im Mai diesen Jahres kurz vor seinem 80. Geburtstag verstarb. Er war ein enger Freund des Galeristen und Sammlers Alfred Gunzenhauser (1926-2015), der ihn in seiner Münchner Galerie über 30 Jahre lang vertrat. In Chemnitz fand die Sammlung des Galeristen noch zu dessen Lebzeiten ein würdiges neues Zuhause. Das Museum verfügt somit über eines der umfangreichsten Konvoluten des Berliner Künstlers im eigenen Bestand. Natürlich konnte bei den Vorbereitungen der Ausstellung niemand ahnen, dass es die erste große retrospektive Ausstellung nach dem Tod von Johannes Grützke werden würde.

Die Schau ist mit seinem wohl bekanntesten Zitat überschrieben: „Kunst ist nicht modern, sondern immer!“ Besser lässt sich Kunst gar nicht in Worte fassen, aber das Zitat zeugt auch davon, dass sich Grützke mit etlichen Vorwürfen konfrontiert sah, die sein eigenes Werk nicht als ausreichend zeitgemäß empfanden. Darüber lässt sich anhand der Arbeiten des Künstlers vortrefflich streiten – auf der anderen Seite blieb sich Grützke ein Leben lang selbst treu. Und wie heißt es so schön, Mitleid bekommt man umsonst, Neid muss man sich erarbeiten. Für das Ausscheren aus der Norm des Kunstmarkts braucht es Können und vor allem Mut. Künstler sind in der Regel nicht einfach, weil sie in ihrer eigenen Welt und ihren eigenen Empfindungen leben. Wenn es einem Galeristen wie Alfred Gunzenhauser gelang, einen Zugang zu dem Künstler zu finden, ohne ihn in eine Schublade zu stecken oder beeinflussen zu wollen, dann war es ein Glücksfall für beide.
Johannes Grützke studierte von 1957 bis 1964 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. 1962 war er Schüler bei Oskar Kokoschka an dem von ihm geleiteten Kurs der Internationalen Sommerakademie in Salzburg. Doch Grützke hatte noch andere Talente: 1965 gründete er das Musikensemble Die Erlebnisgeiger in Berlin. Als Bühnenbildner arbeitete er auch für das Theater. So begann 1979 eine langjährige Arbeit mit dem Regisseur Peter Zadek.

Johannes Grützke gründete 1973 mit Weggefährten die Schule der Neuen Prächtigkeit, im Grunde genommen ein stiller Protest gegen die damals gängige abstrakte Malerei. Für die Arbeiten von Grützke und seinen Weggefährten war kein Platz mehr in Ausstellungen.
Der Hang Grützkes zum Realismus und einer Neuerfindung der historischen Malerei schuf eine Brücke zu den ostdeutschen Malern, die die gleiche Motivation wie Grützke hatten,den Glauben an den Kreislauf der Geschichte und das Leben als Impulsgeber. Daher lässt sich spielend leicht eine Parallele zu den Leipziger Malern herstellen und zu dem Ostberliner Maler Harald Metzkes.

Rund 150 Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Plakate und plastische Arbeiten des Künstlers sind in Chemnitz zu sehen. Darunter Hauptwerke wie „Die Erziehung Alexanders“ (1978) und „Faunsbesuch“ (1982). Ergänzt wird die Vernissage mit ausgewählten Leihgaben aus Museen und Privatsammlungen.

 

Johannes Grützke
„Kunst ist nicht modern, sondern immer!“
bis zum 14.1.2018, Kunstsammlungen Chemnitz, Museum Gunzenhauser
Falkeplatz, D-09112 Chemnitz
Tel.: +49-371-4887024
Di – So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 7 €, erm. 4,50 €
www.kunstsammlungen-chemnitz.de

 

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