Fun und Forschung! – Multimedialist Matthias König in Amberg

4.11.2017 – 21.1.2018 | Luftmuseum Amberg

Matthias König, Espresso Gnawa, 2015.

 

von Dieter Begemann //

 

Es ist wirklich etwas schwierig, mit einfachen Worten nachvollziehbar zu beschreiben, was Matthias König so macht. Der Titel seiner Einzelausstellung kommt da jedenfalls gleich schwer ins Stottern: „BbbBB…BEAT“ ist da zu lesen. Oder zu hören? Wohl eher das, denn die ansonsten sinnfreie Buchstabenfolge ergäbe ja, laut vor sich hin gesprochen, die Andeutung einer Art von musikalischem Rhythmus (auf der E-Gitarre?), die mit einem Schlag endet, eben Beat! Musik ist tatsächlich ein wesentlicher Arbeitsbereich des 1987 in Friedrichshafen geborenen Künstlers, aber herkömmliche Gattungsdefinitionen sind hier schwer anzuwenden.

Das Amberger Luftmuseum ließ sich nicht abschrecken, ist es doch schon prinzipiell einem eher luftigen und kaum recht fassbaren Thema zugeeignet. Wo nämlich sonst programmatisch versucht wird, „Luft hören, sehen, begreifen, erleben, verstehen“ zu lassen und wofür man auf Luftduschen, Pneu-Haufen, Äolsharfen, Einkaufstütenorgeln und natürlich auch Pneu-Throne zurückgreift, da also installiert der Multimedialist Matthias König seine mobile Forschungsstation. Fragen, die der Beantwortung näher gebracht werden sollen, sind beispielsweise die nach kulturellen Traditionen und Folklore(n) und vor allem danach, welche Rolle sie in einer globalisierten Welt noch spielen können. König, der sich selbst als „Visual/Sound Artist & Musician“ beschreibt, überschreitet gerne mal die Grenzen zu Disziplinen wie Soziologie, Ethnologie oder allgemeinen Kulturwissenschaften.

Ein Museumsgebäude also aus dem 14. Jahrhundert – es führt übrigens den hübschen Hausnamen „Engelsburg“ – mit seinen schönen Stuckdecken und zentral am schönsten Platz des ostbayrischen Städtchens gelegen: In dieser geschichtsgesättigten Umgebung baut der heute im niederländischen Den Haag lebende Künstler seine raumgreifenden Installationen auf, die Klang und Licht integrieren und im historischen Ambiente sicher auch verschreckend wirken können. So, wenn ein ziemlich unordentlicher Haufen von Seilen und Holzbalken kommentiert wird mit der rüden Aufforderung „Come down off the Cross, we can use the Wood“, durch welche Titelzeile allein schon das für sich genommen neutrale Material eine völlig andere Bedeutung erhält. Oder vielmehr überhaupt erst eine Bedeutung bekommt. Ein Beispiel dafür, wie Inhalte von Kontexten verändert oder erst erzeugt werden.

Matthias König, der 2012 seinen Bachelor in Fine Arts in Enschede gemacht hat, arbeitet hier zwar mit physischem Material, das Wort ist aber unverzichtbarer Bestandteil und meist auch der Klang (der Musik sein kann, aber nicht muss). Form und Klang sollen zusammenkommen in einer akustisch-physischen Interaktion, bei der der spielerische, unvorhersehbare Aspekt im Vordergrund steht. Das Ganze darf und soll auch Spaß machen, meint der Künstler, der die spezifischen Qualitäten von Musik – Ton, Dynamik, Rhythmus, Timbre – und vor allem ihre Flüchtigkeit als poetisches Gegengewicht zum Physisch-Sichtbaren schätzt.

 

Matthias König. BbbBB…BEAT
4.11.2017 – 21.1.2018, Luftmuseum Amberg
Eichenforstgäßchen 12, D-92224 Amberg
Tel.: +49-9621-420883
Di – Fr 14 – 17 Uhr, Sa + So 11 – 17 Uhr
Eintritt: 4,50 €, erm. 3 €
www.luftmuseum.de

 

Text aus der kunst:art 58

Über Dieter Begemann 62 Artikel
Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!

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