Träumen die Tiere oder wir? – Franca Bartholomäi im Gutenberg-Museum Mainz

3.11.2017 – 4.2.2018 | Gutenberg-Museum Mainz

Franca Bartholomäi, Equusation (Abend), 2015.

 

von Dieter Begemann //

 

Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern steht natürlich im Mainzer Gutenberg-Museum der Druckkunst grundsätzlich als erster Punkt auf dem Programm. Aber von Beginn an hat man sich dort auch der historisch ungemein wichtigen Form des illustrierten Buches gewidmet. Kein Wunder, waren doch in Bevölkerungsschichten mit nur geringen Lesefähigkeiten die Bilder ein willkommener Zugang zur Botschaft. Gerade der Holzschnitt bot sich an für die Vermittlung: Von Dürer über die Brücke-Künstler bis zu HAP Grieshaber reicht da die Ahnenreihe.

Die in Halle an der Saale lebende Künstlerin Franca Bartholomäi (*1975) setzt diese Tradition fort, diesmal nicht mehr zur Unterstützung eines Textes, sondern als autarke Erzählung in eigenem Recht. Äußerer Anlass der Ausstellung im Gutenberg-Museum: Die Grafikerin ist derzeit (2016/17) amtierende Mainzer Stadtdruckerin, die neunzehnte schon. Aber im Grunde bedarf es solcher Anlässe eigentlich nicht, sich einmal tief in die wundersame Welt dieser Künstlerin zu versenken, die schon im Studium den Holzschnitt für sich entdeckte. „Liebe auf den ersten Schnitt“, so beschrieb sie einmal das Urerlebnis an der Holzplatte, die sie mit den traditionellen Werkzeugen – aber auch schon einmal mit dem Teppichmesser – meisterhaft bearbeitet. Schwarze Farbe auf weißem Papier, sparsamer geht es eigentlich nicht, und doch öffnet sich ein träumerisches Universum vor unseren Augen, wo Menschen und Tiere ihre Rollen zu tauschen vermögen.

 

Von Tieren, die träumen. Holzschnitte von Franca Bartholomäi
3.11.2017 – 4.2.2018, Gutenberg-Museum Mainz
Liebfrauenplatz 5, D-55116 Mainz
Tel.: +49-6131-122640
Di – Sa 9 – 17 Uhr, So 11 – 17 Uhr
Eintritt: 5 €, erm. 3 €
www.gutenberg-museum.de

 

Text aus der kunst:art 58

Über Dieter Begemann 104 Artikel
Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!

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