Schönheit und Schrecken. – Herbert Müller im Landesmuseum Emden

bis zum 4.3.2018 | Ostfriesisches Landesmuseum Emden

Herbert Müller, Kambodscha – Reiskuchenverkäuferin, 2005.

 

von Julia Behrens //

 

Im norddeutschen Raum ist der Maler Herbert Müller vor allem für seine Landschaften bekannt. In bewegtem Duktus und durchdringender Farbigkeit hält der Künstler (*1953) seit über 40 Jahren das Bild seiner ostfriesischen Heimat fest. Besonders charakteristisch sind seine hoch oder niedrig angesetzten Horizonte, die entweder das Land oder den Himmel unendlich weit erscheinen lassen.

Doch nicht nur mit dem gerade Sichtbaren, sondern auch mit der Geschichte dieser Gegend setzt sich der Künstler, der an der Außenstelle Münster der Düsseldorfer Kunstakademie studierte, intensiv auseinander: Seit den 1980er Jahren gelangen Motive wie Gefangene, Totenschädel und trostlose Baracken auf Müllers Leinwände. Denn der Maler lebt in Engerhafe in unmittelbarer Nähe eines ehemaligen Arbeitsaußenlagers des KZ Neuengamme und trug vor Ort selbst zum Errichten einer Gedenkstätte bei.

In der Ausstellung „Herbert Müller. Landschaft und Geschichte“ im Ostfriesischen Landesmuseum Emden bilden die beklemmenden, oft in Grautönen gehaltenen Darstellungen der Lagerthematik nun einen starken Kontrast zu den leuchtenden Naturwiedergaben. Auf Reisen greift der Maler diese Ambivalenz von einer schönen und friedlichen Gegenwart und einer von schrecklichen Ereignissen durchsetzten Vergangenheit ebenfalls auf. So skizziert Müller zum Beispiel in Kambodscha nicht nur beschauliche Straßenszenen, sondern erinnert mit Portraits von Todesopfern auch an die Verbrechen der Roten Khmer.

 

Herbert Müller. Landschaft – Zeitgeschichte
bis zum 4.3.2018, Ostfriesisches Landesmuseum Emden
Rathaus am Delft, Brückstr. 1, D-26725 Emden
Tel.: +49-4921-872058
Di – So 10 – 17 Uhr
Eintritt: 8 €, erm. 4 €
www.landesmuseum-emden.de

 

Text aus der kunst:art 59

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