PUBLIC ART MUNICH 2018

30. April – 27. Juli 2018 | Olympiastadion und Innenstadt, München

Game Changers
Performative Kunst in der Stadt

Kuratiert von Joanna Warsza. Gefördert von der Landeshauptstadt München.

Grand Opening: 30. April Olympiastadion

Public Art Munich (PAM) 2018 freut sich, das Grand Opening am 30. April im Olympiastadion bekannt
zu geben. Es ist der Auftakt eines internationalen, dreimonatigen Programms, das jedes Wochenende
bis Ende Juli eine der insgesamt 20 performativen Interventionen im Stadtraum präsentiert.

KünstlerInnen:
Lawrence Abu Hamdan, Cana Bilir-Meier, Anders Eiebakke, Leon Eixenberger, Massimo Furlan,
Mariam Ghani, Flaka Haliti & Markus Miessen, Rudolf Herz & Julia Wahren, Alexander Kluge,
Michaela Melián, Ari Benjamin Meyers, Dan Perjovschi, Alexandra Pirici & Jonas Lund, Olaf Nicolai,
The 9th Futurological Congress/Julieta Aranda & Mareike Dittmer, Franz Wanner, Aleksandra
Wasilkowska

Game Changers
In einer Zeit einschneidender Veränderungen lädt PAM 2018 KünstlerInnen aus aller Welt ein, game
changers am Beispiel der Stadt München zu untersuchen: von der Bayerischen Räterepublik über die
Entnazifizierung der Nachkriegszeit, Radio Free Europe, die 68er-Bewegung, den architektonischen
Optimismus des Olympiastadions, das Wendejahr 1989, den Empfang von Geflüchteten im Hauptbahnhof
2015 bis hin zu den Einflüssen von Digitalisierung, künstlicher Intelligenz oder der #MeToo-
Bewegung auf unser Leben.
Die Frage ist nicht, ob wir Teil der Veränderungen unserer Zeit sein wollen, sondern wie wir uns darin
positionieren. Was soll bleiben? Was soll sich ändern?

Eröffnungswoche
Am 30. April eröffnet PAM 2018 – buchstäblich als Kick-off – mit Massimo Furlans Reenactment des
legendären Fußballländerspiels DDR-BRD 1974, das mit einem 1:0-Sieg der DDR endete. Unter
dem ikonischen Schwebedach des Olympiastadions, konzipiert als Symbol für Frieden und Toleranz,
führt der Schweizer Performance-Künstler Furlan das historische Match mit nur zwei Spielern als
Sepp Maier und Jürgen Sparwasser auf. Die Kunst bringt den Fußball zurück in die Arena. Eingespielt
werden dazu die Original-Radiokommentare.

Am selben Tag zeigt die polnische Künstlerin Aleksandra Wasilkowska ihre Installation einer frei
schwebenden Decke mit dem Titel Gold für Natascha, Silber für Timofej. Der russische Eremit
Timofej und seine Frau Natascha – beide kamen als Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg nach
München – errichteten 1952 eine Kirche für den Frieden, die Ost-West-Friedenskirche auf dem
Gelände des Oberwiesenfelds, wo später der Olympiapark entstand. Der Legende nach inspirierte
dieser aus Kriegsschutt errichtete Schwarzbau die Olympiaplanungen und die Konstruktion für das
Zeltdach des Stadions.

Am 1. Mai setzt sich das Programm mit Live-Zeichnungen von Dan Perjovschi im
MaximiliansForum fort; Jonas Lund präsentiert sein Facebook-Projekt Hi Munich: This One is
For You! Seine personalisierten Mitteilungen sollen alle BewohnerInnen Münchens erreichen und
problematisieren den Gebrauch von social media als vermeintlich öffentlichen Raum.
Am selben Tag findet zudem die Einweihung des PAM-Pavillons statt, der während der
Sommermonate als zentraler Ort der Information, Dokumentation und Vermittlung dient. Das
künstlerische Konzept verantworten Flaka Haliti und Markus Miessen.
Der 1. Mai ist auch Auftakttermin für das Diskursprogramm, kuratiert von Gürsoy Doğtaş.

Am 4. und 5. Mai endet das Eröffnungsprogramm mit der 24-stündigen Konzert-Installation Music
from a Frontier Town von Michaela Melián im Amerikahaus. Das Haus wurde als eine der ersten
Einrichtungen der Reeducation nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland eröffnet, und besteht als
eine der letzten Institutionen seiner Art bis heute.

Nach diesem Auftakt präsentiert PAM 2018 jedes Wochenende bis Ende Juli eine der insgesamt 20
performativen Interventionen im Münchner Stadtraum. Der kuratorische Fokus liegt dabei weniger auf
dem Konzept von ‚Kunst im öffentlichen Raum‘ als auf der Betrachtung des Begriffsfelds ‚Öffentlichkeit’.
Alternative Lesarten von ‚Publicity’ und die Betonung von Säulen des demokratischen Lebens
wie Meinungsfreiheit und Gemeinwohl verbinden sich mit einem spezifischen Verständnis von zeitgenössischer
Kunst. Einer Kunst, die die Logik heutiger Aufmerksamkeitsökonomie kritisch hinterfragt,
um gesellschaftliche Belange jenseits profitorientierter Maximen zu diskutieren. PAM 2018 setzt auf
eine Kunst, die das Spiel verändern will, indem sie herrschende Denk- und Handlungsroutinen in
Frage stellt.

Joanna Warsza (geboren in Warschau, lebt in Berlin) arbeitet als Kuratorin vorzugsweise im urbanen,
weniger im musealen Kontext. U.a. kuratierte sie den Georgischen Pavillon auf der 55. Biennale von
Venedig 2013, und das öffentliche Programm der Manifesta 10 in St. Petersburg 2014. Warsza ist
Herausgeberin zahlreicher Publikationen, u.a. I Can’t Work Like This: A Reader on Recent Boycotts
and Contemporary Art bei Sternberg Press 2017 und Empty Stages, Crowded Flats. Performativity as
Curatorial Strategy (mit Florian Malzacher), Alexander Verlag Berlin 2017. Derzeit leitet sie das
kuratorische Programm CuratorLab an der Konstfack in Stockholm.

PAM 2018 ist die zweite Ausgabe der großen, von der Landeshauptstadt München initiierten, internationalen
Projektreihe für den Stadtraum, die erstmals 2013, kuratiert von Elmgreen & Dragset, unter
dem Titel A Space Called Public / Hoffentlich Öffentlich stattfand.

 

Text: Public Art Munich (PAM) 2018

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