Von den Schattenseiten menschlicher Existenz. – „Neue Schwarze Romantik“ macht Station in der Galerie der Stadt Backnang

24.2. – 22.4.2018 | Galerie der Stadt Backnang

Alexandra Baumgartner, Vanitas, 2014.

 

von Michaela Schabel //

 

Das Böse, Morbide, die Begierde und Leidenschaften faszinierten die Menschen immer wieder und wurden in der Romantik eine Gegenbewegung zu Aufklärung und klassisch humanistischen Wertidealen. Der Spagat zwischen großen Emotionen und Grusel ist seit der Ausstellung „Schwarze Romantik. Von Goya bis Max Ernst“ im Frankfurter Städel 2012 wieder verstärkt ins Bewusstsein gerückt. Unter dem Label „Neue schwarze Romantik“ werden neue Strömungen zwischen „Dark Wave“ und magischen Finsternisstragien ins Blickfeld gerückt.

Christoph Tannert konzipierte für das Berliner Bethanium mit 34 Künstlern die Wanderausstellung „Neue schwarze Romantik“. Nach Bukarest, Kiel und Berlin ist diese Ausstellung jetzt im Museum Backnang zu sehen, danach in Bregenz und Prag. Das ist seinem „ausgesprochen guten Ruf“ in der deutschen Galerieszene zu verdanken, so die Leiterin des Graphik-Kabinetts Celia Haller-Klingler in Backnang. Durch die ständige Disposition von aktuellen Themen sucht man in Backnang bewusst die Kontroverse, um durch Diskussionen neue Besucherschichten zu erreichen. Da die „Neue schwarze Romantik“ sofort Begrifflichkeiten suggerieren lässt, Kontexte, hofft man auf Neugier und kritisches Reflektieren seitens der Besucher. Gleichzeitig passt die Ausstellung bestens ins pädagogische Bildungskonzept des Museums. Hier übernehmen Gymnasiasten der Oberstufe Aufsichten und Führungen, um Jung und Alt an Kunst heranzuführen.

Nicht zuletzt passt die „Neue schwarze Romantik“ mit dem Nervenkitzel des Bösen und dem Pathos des Morbiden bestens zum architektonischen Stilmix des Museums, einer ehemaligen Schule des späten 18. Jahrhunderts mit gotischem Chor, einem Turm aus dem 17. Jahrhundert und einem Fachwerk-Helferhaus als Grafikgalerie daneben.

Nicht alle Arbeiten fanden Platz, aber alle Künstler aus verschiedensten europäischen Ländern sind mit Gemälden, Grafiken, Objekten und Videos vertreten, unter anderen Greta Alfaro, Roland Boden, Martin Eder, Susann Maria Hempel, Gregor Hildebrandt, Lisa Junghanß, Bill Morrison, Adam Saks, Moritz Stumm, Sándor Szász, Philip Topolovac und Iris van Dongen. Sie spielen mit Ängsten, Fantasien der Menschen, entdecken hinter glatten Oberflächen lüsterne Begierden und amoralische Netzwerke. Die Macht des Bösen offenbart sich in der Alltäglichkeit. Normalitäten verwandeln sich in „umnachtete Werke, teerig und tintig“. In bekannten Motiven flackern durch Übermalungen die inneren Dämonen des Dunklen auf. Vom Menschen verdinglichte Natur wird von natürlichen Feinden regelrecht aufgefressen. Verselbstständigen sich Dinge in surrealen Situationen, verwandeln sie sich zu bedrückenden Metaphern, in denen der Mensch zum Objekt degradiert. Ob Kitsch oder Kunst, entscheidet der Besucher. Eine Kontroverse provoziert diese Ausstellung auf jeden Fall.

 

Neue Schwarze Romantik
24.2. – 22.4.2018, Galerie der Stadt Backnang
Petrus-Jacobi-Weg 1, D-71522 Backnang
Tel.: +49-7191-894477
Di – Fr 17 – 19 Uhr, Sa + So 14 – 19 Uhr
Eintritt frei
www.galerie-der-stadt-backnang.de

 

Text aus der kunst:art 60

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