Tänzelnd über Grenzen. – Das Kölner Römisch-Germanische Museum und das Kolumba bringen ihre Sammlungen zusammen

bis zum 20.8.2018 | Kolumba

Jannis Kounellis, Tragedia Civile, 1975. Foto: Lothar Schnepf, © Kolumba, Köln.

 

von Julius Tambornino //

 

Es ist ein außergewöhnliches und wohlgemerkt waghalsiges Experiment, welches derzeit in und außerhalb der atemberaubenden Architektur Peter Zumthors des Kölner Kolumba zu bestaunen ist. Angestoßen durch eine notgedrungene Generalsanierung des Römisch-Germanischen Museum der Stadt entschied man sich dazu, für die Laufzeit von ungefähr einem ganzen Jahr die jeweiligen Sammlungen beider Museen für eine großangelegte Ausstellung zusammenzuführen und in den Dialog treten zu lassen. Aufgehängt am Motiv eines tänzerischen Duetts möchte man sich nun gegenseitig auf das gemeinsame „Potenzial hin befragen“, wie es heißt. Wie aber kann ein solches Kunststück im Angesicht der fundamentalen Verschiedenheit beider Häuser gelingen? Zwar erhebt sich nämlich, genau wie das Römisch-Germanische, auch der Bau des Kolumba über einer Ausgrabungsstätte – doch zwischen der wissenschaftlichen Aufgabe eines archäologischen Archivs im Auftrag eines ganz bestimmten Zeitabschnitts der Stadtgeschichte und der wesentlich freieren Ambition eines Museums, das über die Kunst aller Jahrhunderte eine Art anthropologischer Selbsterfahrung anstrebt, liegen schließlich Welten.

Den Kuratoren gelingt es, diese Herausforderung in beide Richtungen in einen Profit zu wandeln, indem sie die Kontexte verschieben: So verlieren die ehrwürdigen römischen Herrscherbüsten in dem akzentuierten Licht der eigentümlichen Räume ihre Funktion als Zeitzeugnisse und werden ganz und gar zum Kunstobjekt. Doch auch umgekehrt profitieren gerade die zeitgenössischen Werke der ständig wachsenden Kolumba-Sammlung von der Gegenüberstellung mit ihren Urahnen, weil sie nun, eingebettet in die große Erzählung über den unbändigen Kunstwillen der Menschheit, einen Platz einnehmen, der sie weit über ihren flüchtigen Status als Zeitobjekt hinausblicken lässt.

Es dauert eine Weile, sich zu erschließen, dass auch in der Hängung ein Prinzip steckt, das Verwandtschaften auf der Basis einzelner motivischer Momente herstellen soll: ein Raum für die See, ein Raum für die Welt der Tiere, ein anderer für das Glas. Die Notwendigkeit dieser Kategorisierung ist vor allem deshalb zumindest zweifelhaft, weil die Ausstellung eigentlich eine sehr viel größere Ordnung im Blick hat, die dem Besucher auch unabhängig von einfacher Motivik ins Auge fällt: In der Tradition der Wissenschaften ist die Grenze zwischen der vorchristlichen Archäologie und der Kunstgeschichte seit dem 4. Jahrhundert nach Christus immer noch nicht ganz durchlässig, eine Grenze, die vor dem Hintergrund der Frage nach dem Sinn und der Funktion von Kunst mehr störend denn hilfreich ist. Denn gar zwischen den Steinmetzen der Antike und den radikalen Ideen eines Joseph Beuys, dies lernt man im Kolumba, findet man letztlich ein verbindendes Element: Es ist der Drang, auf kreativen Pfaden einen Umweg zu gehen, um Zusammenhänge greifbarer zu machen, die in anderen Sprachen als der der Kunst nicht so deutlich werden würden. In diesem Sinne ist auch dies eine historische Ausstellung, im besseren Sinn, da sie in tänzerischer Unbeschwertheit eine Grenze einreißt.

 

Pas de deux. Römisch Germanisches Kolumba
bis zum 20.8.2018, Kolumba
Kolumbastr. 4, D-50667 Köln
Tel.: +49-221-9331930
Mo + Mi – So 12 – 17 Uhr
Eintritt: 5 €, erm. 3 €
www.kolumba.de

 

Text aus der kunst:art 59

 

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