Werk und Stätte. – Leiko Ikemura im Max Liebermann Haus

11.4. – 27.5.2018 | Stiftung Brandenburger Tor, Max Liebermann Haus

Leiko Ikemura, Genesis, 2014. VG Bild-Kunst

 

von Tamara Branovic //

 

Mit der Reihe „im Atelier Liebermann“ öffnet die Stiftung Brandenburger Tor seit Mitte letzten Jahres das Atelier des Berliner Impressionisten und Wegbereiters der Moderne Max Liebermann der zeitgenössischen Kunst sowie der Öffentlichkeit. In Kooperation mit der Stiftung konzipieren die eingeladenen Künstler eine Ausstellung, die sich insbesondere auch der Funktion und Nutzung des Ortes widmet. Den kommenden Einblick in das Atelier Liebermanns gewährt Leiko Ikemura im Dialog mit Donata und Wim Wenders.

Das Atelier des Künstlers ist seit dem 19. Jahrhundert als Geburtsstätte der Kunst zu einer eigenen symbolträchtigen Thematik geworden. Gerade zu Beginn der Moderne wurde das Maleratelier über seinen eigentlichen Zweck einer Produktionswerkstatt und Wohnung hinaus besonders als Räumlichkeit für repräsentative und darstellende Gesellschaftsereignisse genutzt und glorifiziert. Neben den Münchener Künstlerkollegen Franz von Lenbach und Franz von Stuck zählte auch Max Liebermann zu den wichtigsten deutschen Vertretern der Moderne und wohlhabenden Atelierbesitzern in seiner Geburtsstadt Berlin. Ging man als Impressionist ins Freie und widmete sich der Freilichtmalerei, verlor gleichzeitig das ursprüngliche Umfeld des tätigen Künstlers nicht an signifikanter Bedeutung. Man zeigte seine Person, seine Schöpfung, debattierte und verkaufte. Die Zeit der Moderne war auch jene prägende Bewegung für eine Spaltung der japanischen Malereikunst.

Aufgeteilt in zwei Stilrichtungen, Yōga – westlich orientiert und dem Impressionismus sehr nahestehend – und Nihonga – in der fernöstlichen, klassischen Tradition verankert, wird gerne eine verbindenden Linie zwischen den zwei unterschiedlich ausgerichteten „Schulen“ im Werk Leiko Ikemuras wahrgenommen.

Leiko Ikemura wurde in Japan geboren. Früh zog es sie in den europäischen Westen. Sie studierte Bildende Kunst in Spanien und der Schweiz und kam in den 1980er Jahren nach Deutschland. Heute lebt sie in Berlin und Köln, ist in der Welt unterwegs und findet in der Begegnung mit der Weite den Nährboden für ihr Œuvre, welches vor allem Werke aus den Bereichen der Malerei, Zeichnung und Bildhauerei umfasst. Neben teils abstrakten Porträts von Mischwesen und mädchenhaften Figuren sind es die idyllischen und surrealistisch anmutenden Landschaften, die Parallelen mit der japanischen Malerei aufzeigen. Was auch immer hier in die eine oder auch andere Richtung zu weisen scheint, ist es viel mehr die Nähe zu dem Ausstellungsort und ihre Liebe zum Reisen zwischen unterschiedlichen Destinationen. So wurden schließlich filmische und fotografische Arbeiten von Donata und Wim Wenders in die Gesamtkomposition der Ausstellung mitintegriert. Sie dokumentieren die Künstlerin während ihrer Produktionswirkung und zeigen ergänzend in eigenständiger Positionierung Werke der beiden Kollegen und Freunde. Die Filme des preisgekrönten Regisseurs Wim Wenders betrachtet sie als künstlerische Anregung. Zumal auch er mit und in seinem Werk von und zu verlassenen, verträumten oder surrealen Situationen reist. Unter dem Himmel von Berlin – am Dreh- und Angelpunkt des kreativen Austausches – begegnet man einer Welt der inneren und äußeren Ferne und Nähe, um sich im Austausch wieder zu vereinen.

 

im Atelier Liebermann: Leiko Ikemura
11.4. – 27.5.2018, Stiftung Brandenburger Tor, Max Liebermann Haus
Pariser Platz 7, D-10117 Berlin
Tel.: +49-30-22633016
www.stiftungbrandenburgertor.de

 

Text aus der kunst:art 60

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