Schweigen um einen Künstler

17.4. – 12.8.2018 | Von der Heydt-Museum

Jankel Adler, Sabbat, Düsseldorf, 1925, Ausschnitt (Foto Jens Ziehe, Courtesy Jüdisches Museum Berlin)

von Dr. Milan Chlumsky //

Nach 1933 hat die Mannheimer Kunsthalle 102 Gemälde, acht Skulpturen, 491 grafische Arbeiten und 59 Mappenwerke verloren, von denen es immer noch keine Spuren gibt. Darunter befanden sich auch zwei Gemälde des polnischen Malers Jankel Adler (eigentlich Jankiel), die sich zu den weiteren 23 gesellten, die – in der Nationalgalerie Berlin und im Museum Folkwang Essen – beschlagnahmt, in der berüchtigten Ausstellung über die Entartete Kunst in München gezeigt wurden. Adler, der seit 1931 zusammen mit Paul Klee an der Düsseldorfer Akademie unterrichtet hatte, trug im englischen Exil die Ermordung seiner neun Geschwister als eine große Bürde mit sich (was sicherlich auch zu seinem frühen Tod 1949 mit nur 53 Jahren beitrug).

Adler hatte sich in Łódź/Lodz an der Gründung der Gruppe „Jung Jiddisch“ beteiligt, einer Vereinigung progressiver Künstler, bis er 1922 nach Düsseldorf wechselte. Eine Goldmedaille bei der Ausstellung „Deutsche Kunst Düsseldorf “ verfestigte die Rolle des eminent gut vernetzten und hoch originellen Künstlers: Adler war ein experimentierfreudiger, innovativer und international hoch geschätzter Künstler, der in Chagall, Picasso, Dix, Modigliani oder Bacon nicht nur Freunde, sondern auch Inspiratoren seiner unermüdlichen Recherchen nach neuen Ausdrucksformen in der Malerei hatte.

Dem Von der Heydt-Museum ist es gelungen, an die 200 Werke aus allen Perioden des Malers sowie seiner Freunde aus Museen in den USA, Israel, Brasilien, Frankreich, Polen und Großbritannien zu einer ersten großen Retrospektive nach einem rund 30-jährigen Schweigen um Jankel Adler zu vereinen.

 

Jankel Adler und die Avantgarde
17.4. – 12.8.2018
Von der Heydt-Museum
Turmhof 8
D-42103 Wuppertal
Tel.: +49-202-5636231
Di – So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 20 Uhr
Eintritt: 12 €, erm. 10 €
www.von-der-heydt-museum.de

Erstveröffentlichung in kunst:art 61.

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