Debüt in Basel: paper positions

12. - 17.6.2018 | Ackermannshof

Graham Fagen, Scheme for Consciousness (3), 2018, Courtesy Maus Contemporary

Nach den erfolgreichen Messen in Berlin und München startet die paper positions nun auch in Basel. Das Schweiz-Debüt der jungen Kunstmesse, die sich den Besonderheiten und der enormen Vielseitigkeit des Mediums Papier widmet, findet zeitgleich zur Art Basel statt. Vom 12. bis 17. Juni 2018 präsentieren 26 Galerien aus den deutsch-sprachigen Ländern sowie aus den USA, Rumänien, Belgien, Frankreich, Großbritannien und Israel ein breites Spektrum an Kunstwerken, die man im Englischen unter dem Begriff »works on paper« zusammenfasst. Sie umfassen nicht allein traditionelle Gattungen wie Zeichnung und Druckgrafik, sondern u.a. auch Collagen, Text-Kunst, kinetische Strukturbilder oder Skulpturen.

Anliegen der paper positions ist es, die große Vielfalt dieses besonderen künstlerischen Segments widerzuspiegeln und internationale Entwicklungen und aktuelle Tendenzen aufzuzeigen.

Treffpunkt der Kunstszene

Alberto Giacometti, Bird in the bushes, 1911 Courtesy Artrust

Basel ist in diesen Tagen internationaler Treffpunkt der globalen Galerien- und Sammlerszene. Die paper positions erweitert mit ihrer Veranstaltung den Kunststandort Basel um eine neue Note und unterstreicht die Vielschichtigkeit, die den Kunstmarkt lebendig und fruchtbar macht. „Ein gut funktionierender Kunstmarkt braucht Diversität“, ist die Überzeugung von Kristian Jarmuschek, der zusammen mit Heinrich Carstens die paper positions leitet. Die paper positions ist eine Antwort auf die Messen der Superlative und unterstreicht mit ihrem Angebot, dass hohe Qualität, außergewöhnliche und überzeugende Werke auch in einem Preissegment jenseits der High-End-Kategorie am Markt verfügbar sind.

Das Unkonventionelle dieser Messe drückt sich nicht zuletzt in der Standarchitektur aus. Die paper positions verzichtet bewusst auf Kojen und nutzt ein offenes Ausstellungskonzept. Ziel ist, Bezüge zwischen den Werken herzustellen und spannende Kunst-Dialoge zu ermöglichen. Die paper positions verfolgt die Idee eines Kunstsalons in Form einer Messe. Dies unterstreicht auch die Anzahl von nur 26 Ausstellern. Die Konzentration auf ein einziges, aber dafür sehr vielseitiges Medium ermöglicht eine umfassende Eintauchen in die Welt des Papiers, eines der wandlungsfähigstens künstlerischen Materialien.

Erst seit dem 20. Jahrhundert ist Papier ein eigenständiges Medium künstlerischen Schaffens. Im Focus stehen vor allem, aber nicht ausschließlich Positionen der modernen und zeitgenössischen Kunst. Paper positions ermöglicht durch ein ungewöhnlich attraktives Standkonzept sowohl etablierten wie auch jungen Galerien, sich am Messestandort Basel international zu präsentieren. Kennzeichnend für die paper positions ist das Nebeneinander renommierter Namen und künstlerische Newcomer.

Konzeptuelle Strategien

Die ganze Welt nimmt die inzwischen international renommierte Schweizerin Sophie Bouvier Ausländer (geb. 1970) sinngemäß in ihrer neusten konzeptuellen Werk-Serie auf. Grundlage ihrer Bilder, die die Patrick Heide Gallery London präsentiert, sind alte Landkarten, die sie durch Farbe und graphische Strukturen verfremdet und mit Wachs überzieht, um sie in eine neue Bedeutungsebene zu heben. Einer der anerkanntesten Konzeptkünstler Polens ist Jaroslaw Koslowski (geb. 1945). In seiner Arbeit widmet er sich der Analyse sprachlicher und logischer Strukturen und ihrer Wahrnehmung. Die RCM Galerie aus Paris, die von Robert und Camille Murphy betrieben wird, zeigt Werke aus der Serie „Studien des Vermessens“ – spartanische Bleistiftzeichnungen, in denen Linien und Kurven mit Zentimeterangaben zur Botschaft werden.

Figuration versus Abstraktion

Als vielversprechendes Talent wird in der deutschen Kunstszene gerade die Neo-Rauch-Schülerin Corinne von Lebusa (geb. 1978) gehandelt. Ihre subtil-farbigen, der Realität entrückten Frauenporträts mit leicht kokettem Unterton, gelten als mysteriöse Sinnbilder der Lust voller Erotik und Rollenspiel. Ihre schillernden Arbeiten in Mischtechnik auf Karton zeigt die Galerie Jarmuschek + Partner aus Berlin, die zudem mit einer Suite der fantastisch-absurden Geschöpfe aus Mensch und Tier des dänischen Zeichners Troels Carlson (geb. 1973) vertreten ist. Zu den Legenden der German Pop zählt Werner Berges. Er beschäftigte sich in den 1960er Jahren mit der Abstraktion des weiblichen Körpers und entwickelte eine individuelle Ausdrucksform der Pop Art. Die Galerie DavisKlemm aus Wiesbaden stellt auf der paper positions basel einigen Radiographien von Berges die sogenannten „Schießscheiben“ von Petra Scheibe Teplitz (geb. 1952) gegenüber. Die Frankfurter Künstlerin verwandelt herkömmliche Targetscheiben aus Papier in Collagen und kinetische Assemblagen.

Nachkriegsavantgarde und Moderne

Das künstlerische Arbeiten auf Papier hat viele Facetten. Es war für viele Künstler mitunter eine Annäherung an ein größeres, komplexeres Werk, eine Art work in progress. Davon zeugen zwei wichtige Arbeiten von Franz von Stuck am Stand von Kunkel Fine Art aus München. Die Ölskizzen „Luzifer“ sowie „ Judith und Holofernes“ reflektieren den Entstehungsprozess zwei der prominentesten Gemälde des gefeierten Secezzionskünstlers. Unter dem Motto „Eros und Mors“ zeigt Dr. Alexander Kunkel desweiteren eine Auswahl an Aquarellen und Zeichnungen von Franz von Bayros, Heinrich Kley und Franz von Stuck. Artrust aus dem schweizerischen Melano bewegt sich mit seinem Programm zwischen klassischer Moderne und Gegenwartskunst und kombiniert den Galeriebetrieb mit einer öffentlichen Kunstsammlung und Education-Programm.

Ein Highlight seines Messeangebots ist zweifellos eine 1911 entstandene Bleistiftzeichnung Alberto Giacomettis (1901-1966) mit der Darstellung eines Kranichs im Schilf. Experimentierfeld für das Zusammenwirken von Form und Farbe und zugleich gedankliche, antizipatorische Erkundung eines skulpturalen Werks war die Zeichnung für den österreichischen Bildhauer Roland Goeschel (1932-2016). Der Documenta-Teilnehmer war einer der wichtigsten Vertreter der Wiener Nachkriegsavantgarde, seine konstruktiven, aus geometrischen Flächen zusammengesetzten Skulpturen in den Farben Rot, Blau und Gelb wurde in den 1960er Jahren als farbige Erweiterung der Plastik bewertet. Dass seine konkret-konstruktiven Zeichnungen die gleiche Kraft besitzen wie seine dreidimensionalen Werke, ist am Stand der ZS Art Galerie aus Wien zu erfahren. Die Macher und ihre Messe in Basel, Berlin und München Die paper positions ist eine Tochter der jeweils im Herbst stattfindenden POSITIONS Berlin Art Fair, die im Jahr 2014 gegründet wurde.

Seit einem Jahr ist der Kunstmarkt jetzt um eine Messe reicher. Als die paper positions 2017 an den Start ging, war das der Testlauf für eine junge, frische, unkonventionelle Messe, mit dem Schwerpunkt Papier. Das starke Debut im Bikini Berlin und die unerwartet große Publikumsresonanz war die Bestätigung für die Fortsetzung der Messe. In diesem Frühjahr etablierte sich die paper positions berlin im alten Telegraphenamt, wo sie auch im nächsten Jahr wieder stattfinden wird. Ebenfalls 2017 ging die paper positions im Herbst auch in München an den Start und wird vom 18. bis 21. Oktober auch 2018 wieder in zentraler Lage im Gebäude der ehemaligen Staatsbank(heute ein Kultort, das Lovelace) in der Kardinal-Faulhaber-Straße, um die Ecke des renommierten 5-Sterne Hotels Bayerischer Hof, Quartier beziehen. Geschäftsführer und Direktor ist der Galerist Kristian Jarmuschek, der bereits 2014 die POSITIONS Berlin Art Fair gegründet hatte. Kristian Jarmuschek ist seit 2013 auch Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Galerien und Kunsthändler e.V. Weiterer Direktor der paper positions ist der galerie- und kunstmarkterfahrene Heinrich Carstens. Als Galeriedirektor war er unter anderem in den international renommierten Galerien Giti Nourbakhsch und Barbara Thumm tätig.

Hochkarätiges gastronomisches Angebot Im Rahmen der paper positions basel eröffnet die Rhyschänzli-Gruppe im Ackermannshof ein Pop-up-Restaurant – bereits das zweite Projekt dieser Art. Mit dem Pop-up-Restaurant gastiert die Rhyschänzli-Gruppe rund um Jérôme Beurret im Gebäudekomplex, dessen Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Bereits Ende Mai testete die Gastro-Gruppe im Lokal die Karte des neuen Klingelis, das Anfang Juni eröffnet hat.

Während der Messe wird der Ackermannshof unter dem Namen «Heaven Under» zum Restaurant auf Zeit. Der mit 16 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnete Koch Pascal Schmutz übernimmt mit seiner Entourage die Küche. Der Baselbieter Antoine Konrad – bekannt als DJ Antoine – liefert mit Konrad Lifestyle exquisite Weine und Champagner und die Rhyschänzli-Crew kümmert sich um die Gästebetreuung. Das Pop-up-Restaurant bietet jeweils drei verschiedene Vier-Gänge-Menüs für je CHF 100.—, dazu gibt es ein Glas Champagner aus hochwertigen, europäischen Weingütern zum Empfang. Die verschiedenen Gänge der Menüs sind frei kombinierbar. Die Platzzahl ist auf 80 Personen pro Abend beschränkt. Das in der alten St. Johanns-Vorstadt gelegene Gastronomielokal wird durch das junge französische Innenarchitektur-Büro «Linzé Frères» des Designers Octave de Gaulle und des Kunstmalers Quentin Germain gestaltet.

 

TERMINE
 
Eröffnung: Dienstag, 12. Juni, 18-21 Uhr
Presselunch: Donnerstag, 14. Juni, 13 Uhr (nur mit Voranmeldung)
Reguläre Öffnungszeiten:
Mittwoch, 13. Juni, 11-20 Uhr
Donnerstag, 14. Juni, 11-20 Uhr
Freitag, 15. Juni, 11-20 Uhr
Samstag, 16. Juni, 11-20 Uhr
Sonntag, 17. Juni, 11-16 Uhr
Ackermannshof
St. Johanns-Vorstadt 19-21
4056 Basel, Schweiz
www.paperpositions.com

Pressetext der paper positions.

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