Spieglein, Spieglein

bis zum 3.9.2018 | Berlinische Galerie

Carsten Nicolai, tele, 2018 (Foto Julija Stankeviciene, Courtesy Galerie Eigen + Art)

von Karolina Wrobel //

Es war etwas bis dahin Unmögliches, das der Physiker Albert Einstein ausgemacht haben will und was ihn auch gleichzeitig an der Quantenmechanik zweifeln ließ: dass nämlich, vereinfacht erklärt, zwei Teilchen in eine „spukhafte Fernwirkung“ eintreten und also miteinander verbunden sind, ohne dass sie sich berühren oder gar ein Signal ausgetauscht haben.

Quantenverschränkung heißt dieses Phänomen. Am besten kann man es sich wie Telepathie vorstellen. Der Künstler Carsten Nicolai bildet sich nicht ein, wissenschaftlicher als Einstein zu sein. Aber eben künstlerischer. Deshalb kann auch er das Einstein’sche Problem nicht lösen. In seinem visuell-auditiven Œuvre greift der 1965 geborene und in Berlin arbeitende Künstler immer wieder auf die Naturwissenschaft zurück und stellt unsere Wahrnehmung auf die Probe. Für seine Arbeit „Tele“ ließ er sich von dem Phänomen der Quantenverschränkung inspirieren und übersetzte die in der Quantenmechanik beschriebenen Wechselwirkungen in eine raumgreifende Lichtinstallation, die seit dem 23. März in der Berlinischen Galerie Museum für Moderne Kunst in Berlin zu sehen ist.

Zwei fast drei Meter hohe Spiegelskulpturen in Form eines archimedischen Körpers – auch Polyeder genannt – gehen eine spukhafte Verbindung ein. Sie scheinen geteilt und also Hälften eines Ganzen zu sein, dabei kommunizieren sie nicht. Vielmehr löst der von einer Hälfte ausgehende Laserstrahl den Laserstrahl des Anderen aus. So entsteht eine Korrespondenz, deren Bedingung die Existenz des Anderen ist.

 

Carsten Nicolai. tele
bis zum 3.9.2018
Berlinische Galerie
Alte Jakobstr. 124 – 128
D-10969 Berlin
Tel.: +49-30-78902600
Mo + Mi – So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 8 €, erm. 5 €
www.berlinischegalerie.de

 

Erstveröffentlichung in kunst:art 61.

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