Auf den Spuren von Karl Marx

Stadtmuseum Simeonstift Trier | Kunstsammlung Jena

Willi Sitte, Porträt Karl Marx, 2. Hälfte 20. Jahrhundert (Ausschnitt, Dauerleihgabe der Bundesrepublik Deutschland an das Stadtmuseum Simeonstift Trier)

von Stefan Simon //

In diesem Jahr wäre Karl Marx 200 Jahre alt geworden. Es scheint, dass die Analyse von Marx’ Hauptwerk „Das Kapital“ keineswegs abgeschlossen ist, beschreibt Marx doch die Ungleichheit zwischen arm und reich als ein von Menschen gemachtes Verhältnis, das im Zeitalter der Globalisierung dramatisch zugenommen hat. Dabei bestimmt das „Kapital“ nicht nur die Wege in Wirtschaft und Politik, sondern beeinflusst auch soziale, kulturelle, wissenschaftliche und ökologische Entwicklungen. Ausstellungen in Trier und Jena zeigen die Möglichkeiten, sich diesem grenzüberschreitenden Phänomen zu entziehen.

Knapp 400 Exponate zeichnen in Trier ein anschauliches Bild vom Leben und Wirken von Karl Marx und von seiner Zeit. Zu sehen sind Gemälde und Zeichnungen sowie Dokumente und persönliche Schriftstücke. Das früheste Arbeiterporträt der europäischen Malerei von Adolph von Menzel sowie ein Gemälde von Gustave Courbet, einem der wichtigsten Vertreter der realistischen Malerei, das den französischen Sozialisten Pierre-Joseph Proudhon zeigt, gehören zu den Exponaten im Ausstellungsteil „Leben. Werk. Zeit.“ im Rheinischen Landesmuseum Trier. Ebenfalls zu sehen ist die erste Marx-Karikatur, die Marx symbolisch als einen an eine Druckerpresse gefesselten Prometheus darstellt, sowie die fünf handschriftlichen Notizhefte, in denen Marx seine Ideen für „Das Kapital“ festhielt, und sein persönliches, mit Anmerkungen versehenes Exemplar der Erstausgabe.

Daneben wird eine von nur noch fünf erhaltenen Fahnen ausgestellt, mit denen die Studenten im Mai 1832 beim Hambacher Fest für Freiheitsrechte und die nationale wach auf Einheit demonstrierten. Erstmals treten hier die drei Farben Schwarz, Rot und Gold im Verbund auf. „Die Marx-Maschine“ zeichnet den Produktions- und Arbeitskreislauf der Industrie nach. Sie gibt aber auch noch weitere Einblicke: in den Prozess, der die Vermehrung des Kapitals und das Wirtschaftswachstum einschließt. Zwischen den Förderbändern und den Stationen können die Besucher auf Entdeckungsreise gehen und eindrückliche Exponate zur Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts wie historische Arbeitsschutzkleidung oder Stechuhren entdecken.

Im Stadtmuseum Simeonstift Trier wird im Ausstellungsteil „Stationen eines Lebens“ das bewegte Leben von Karl Marx nachgezeichnet. Hier wird der Besucher dazu eingeladen, Marx‘ Lebensweg von seiner Kindheit in Trier bis zum Exil in London zu folgen und dabei auf eine Reise durch zahlreiche europäischen Städte zu  gehen, in denen der Philosoph und Ökonom lebte. Der Rundgang lässt die Städte Trier, Bonn, Berlin, Köln, Paris, Brüssel, Manchester und London zu Marx‘ Lebzeiten lebendig werden und zeigt in diesem Kontext seinen persönlichen und intellektuellen Werdegang.

Mit zeitgenössische Kunst würdigt man in Jena den Mann, der dort mit einer Arbeit zur Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie zum Doktor der Philosophie promovierte. So verschieden die Sichtweisen auf den Kapitalismus auch sein mögen, die Kapitalismuskritik hat weder an Dringlichkeit noch an Tragweite verloren. Daran knüpfen Künstler wie Felix M. Furtwängler und Nasan Tur an. Zu sehen sind Arbeiten, die sich kritisch mit unserer ökonomischen und sozialen Gegenwart auseinandersetzen. Susann Maria Hempel macht diese Krise in ihrem Video „Sieben Mal am Tag beklagen wir unser Los und nachts stehen wir auf um nicht zu träumen“  deutlich, und Henrik Schrat zeichnet davon ein Bild mit „Am Vorabend der Ewigkeit“. Julian Röder schließlich bringt in seiner Fotografie  „The Summits, Sapporo“ Kapitalismuskritik nüchtern auf den Punkt.

Stationen eines Lebens
5.5. – 21.10.2018
Stadtmuseum Simeonstift Trier
Simeonstr. 60
D-54290 Trier
Tel.: +49-651-7181459
Di – So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 8 €, erm. 6 €
www.karl-marx-ausstellung.de

Dystopia. Zum 200. Geburtstag von Karl Marx
5.5. – 12.8.2018
Kunstsammlung Jena
Markt 7
D-07743 Jena
Tel.: +49-3641-498261
Di, Mi + Fr 10 – 17 Uhr, Do 15 – 22 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 4 €, erm. 2,50 – 3 €
www.kunstsammlung-jena.de

 

Erstveröffentlichung in kunst:art 61.