Harmonie von Form und Farbe

bis zum 24.6.2018 | Rotes Haus l Galerie Bodenseekreis

Emil Kiess, Herbstliche Bäume am Wasser, 1985

von Paula Wunderlich //

Bis Ende Juni zeigt die Galerie Bodenseekreis im Roten Haus Meersburg die Arbeiten des 1930 in Trossingen geborenen Emil Kiess. Der Künstler, der vor allem auch als Glasmaler Bekanntheit erlangte und etwa das Münster St. Paul in Esslingen am Neckar, die Dreifaltigkeitskirche in Leutkirch und die Martin-Luther-Kirche in Ilvesheim mit Glasfenstern ausstattete, kann sich auch an der Leinwand sehen lassen. Seine meist großformatigen Gemälde sind Flechtwerke aus Farben, Formen und Raumerkundung. Ungegenständlich und abstrakt sind seine „Farbteppiche“. Kaum verwunderlich, lernte Emil Kiess doch unter anderem bei Willi Baumeister an der Kunstakademie Stuttgart. Auch die Relevanz der Farbe wurde ihm durch den Lehrer Adolf Hölzel näher gebracht.

Erstmals in dieser Ausstellung zu sehen ist eine Reihe von Bodenseelandschaften, die in den 1970er Jahren entstanden ist. In diesen Arbeiten changiert Kiess gekonnt zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Mehr auf Intuition denn auf die reale Abbildung eines Bildgegenstandes fokussiert sich der heute 88-jährige Emil Kiess, der sich mit seiner Kunst auch stets seines eigenen Daseins versicherte und diesem auf facettenreiche Art und Weise Ausdruck verliehen hat. „In der Kunst sehe ich eine Form des Lebens. Sie ist das einzige Mittel, mit dem ich meiner Existenz Ausdruck geben kann“, schrieb Emil Kiess einst. Seine „farbdivisionistischen“ Gemälde hingegen beziehen sich auf Künstler wie Georges Seurat und tangieren den französischen Pointillismus, indem sie die Farbe innerhalb einer geometrisch streng komponierten Bildwelt einsetzen.

 

Emil Kiess. Die Wirklichkeit des Sichtbaren
bis zum 24.6.2018
Rotes Haus l Galerie Bodenseekreis
Schlossplatz 13
D-88709 Meersburg
Tel.: +49-7532-494129
Di – So 11 – 17 Uhr
Eintritt: 4 €, erm. 2 €
www.bodenseekreis.de

 

Erstveröffentlichung in kunst:art 61.