Nora Schattauer im Leopold-Hoesch-Museum Düren

Leopold-Hoesch-Museum | 30.8. – 11.11.2018

Nora Schattauer, Permanganot, 2013.

von Christian Corvin //

Das Leopold-Hoesch-Museum und das Papiermuseum Düren, zwei komplett unterschiedliche Museen, befinden sich in zwei benachbarten Häusern. Räumlich getrennt in direkter Nachbarschaft, befinden sie sich organisatorisch unter einem Dach. Anja Dorn ist seit dem 1. August die neue Direktorin beider Häuser. Während das Leopold-Hoesch-Museum, benannt nach einem Dürener Industriellen des 19. Jahrhunderts, sich der Kunst widmet, so ist das Papiermuseum ein technisches Museum, in dem man alles über die Bedeutung, Herstellung und Geschichte von Papier erfährt und vieles auch selber ausprobieren kann.

Nachdem das Kunstmuseum 2010 eine Erweiterung und generelle Renovierung erfahren hat, ist zur Zeit das Papiermuseum dran. Die komplette Neugestaltung hat gerade ihr Ende gefunden und das neue Papiermuseum öffnet am 9. September seine Pforten. Mit seiner Modernisierung wird es einerseits mehr dem Gedanken des Entdeckens und Ausprobieren verpflichtet, andererseits widmet sich das neue Papiermuseum auch der Zukunftsfrage von Papier: Wofür benötigen wir im Cloud- und Internetzeitalter noch Papier und was wird das Papier der Zukunft können?

Und während nebenan im Papiermuseum Reden gehalten werden und Schampus fließt, wird im Leopold-Hoesch-Museum die Projektreihe „Apropos Papier:“ fortgesetzt. Als dritte Teilnehmerin wird die in Köln lebende und arbeitende Künstlerin Nora Schattauer sich der Materie „Papier“ künstlerisch-experimentell widmen. Im Gegensatz zum „normalen“ kreativen Prozess eines Künstlers trägt sie keine Farben auf das Papier auf. Stattdessen gibt sie mineralische Lösungen auf das Papier und … wartet. Das Papier, die Lösung, die Luft und der Faktor Zeit übernehmen den Rest: Farben entstehen, Strukturen werden sichtbar. Was normalerweise bei Kunstwerken verhindert werden muss (chemische Prozesse), ist hier Teil der Arbeit. Somit kann es auch über einen längeren Zeitverlauf Änderungen der Farben und der Größe der Farbfelder geben. Wie lange der Prozess dauert, hängt von den vier genannten Faktoren und ihrer Zusammensetzung ab.

Diese Prozesse erfordern – wenn man das Ergebnis nicht komplett vom Zufall abhängig machen möchte – viel Erfahrung mit der Materie, über die Nora Schattauer verfügt. Die Erforschung von Oberfläche und Substanz, über die sie am 27. September im Museum sprechen wird, ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. Unterschiedliche Papiersorten, die ortsabhängige Zusammensetzung der Luft, ja auch unterschiedliches Licht: Wie eine Chemikerin muss auch die Künstlerin Versuchsreihe an Versuchsreihe hängen, um die Ergebnisse annähernd voraussehen zu können.

Damit nicht ein gesellschaftliches Ereignis in Düren auf das nächste folgt, wird die Vernissage erst einige Wochen nach Beginn der Ausstellung gemeinsam mit der Präsentation der Stipendiaten der Günther-Peill-Stiftung 2016–2018, Paul Sochacki und Raphaela Vogel, erfolgen.

Apropos Papier: Nora Schattauer
30.8. – 11.11.2018
Leopold-Hoesch-Museum
Hoeschplatz 1
D-52349 Düren
Tel.: +49-2421-252561
Di – So 10 – 17 Uhr, Do 10 – 19 Uhr
Eintritt: 6 €, erm. 3 €
www.leopoldhoeschmuseum.de

 

Text: Christian Corvin | Bild: Leopold-Hoesch-Museum
Erstveröffentlichung: kunst:art 63