Frankfurt ist wieder Messestadt!

Forum Messe Frankfurt | 2. – 4.11.2018

Vernissage 2018, Discovery Art Fair Frankfurt

Die Discovery Art Fair ist in der Mainmetropole angekommen

Die Geschichte Frankfurts als Standort einer Kunstmesse ist voller Missverständnisse. Es wollte halt irgendwie nie klappen. Von der Kunstmesse vor gut zehn Jahren (fine art fair) wird zwar immer mit Hochachtung gesprochen, nur hat sie halt nicht lange durchgehalten. Der Versuch der Neu-Isenburger Kunstmedien GmbH (vergl. auch Der Kunsthandel Verlag GmbH) von 2015 mit der Kunst Messe Frankfurt wird in der Berichterstattung gnadenhalber unter den Tisch fallengelassen, da diese Messe allgemein als kompletter Reinfall angesehen wird. Unter Messeveranstaltern galt Frankfurt also immer als heißes Pflaster: Kaufkraft und Interesse der Bevölkerung ist vorhanden, nur fanden Messe und Interessierte nie in ausreichendem Maße zusammen! Köln und Basel sind halt nicht weit entfernt.

Jörgen Golz und sein Team aus Berlin haben bereits seit vielen Jahren Erfahrung mit Kunstmessen, die sich an ein normales Publikum (plus x) richten. Angesprochen werden nicht Spekulanten und auch nicht der Sammler aus New York, sondern die ganz normalen Frankfurter inklusive der Menschen aus der Umgebung. Kunst ist nicht immer sündhaft teuer, auch normale Menschen können sich echte Kunst – also Unikate – kaufen! Besonderes Kennzeichen der Messen aus Berlin: Galerien und Künstler stellen sich nebeneinander gleichberechtigt dem Publikum, der Direktkauf vom Produzenten ist möglich, das Gespräch mit den Künstlern hoch erwünscht! Neben gut 40 Galerien sind es bei der ersten Ausgabe der Frankfurter Messe nun auch etwas mehr als 30 Stände von Künstler, die ihre Kunst in Selbstvermarktung präsentieren.

Andrea Damp, Carpe Noctem II, 2018 (Galerie Barbara von Stechow)

Es sind nicht nur kleine und unbekannte Galerien, die sich in Franfurt auf der Discovery Art Fair zeigen, sondern auch einige durchaus bekanntere, wie die Galerie Klose aus Essen oder die Galerie Rosemarie Bassi aus Remagen. Besonders sticht aber die Galerie Barbara von Stechow hervor, die sicherlich das größte Renommee aller vertretenen Galerien hat und zudem noch aus Frankfurt selbst stammt. Die Galerie, deren Namensgeberin persönlich auf der Messe vertreten ist, zeigt insbesondere Talente, bzw. ihre jüngeren KünstlerInnen auf der Messe. So auch Andrea Damp (*1977, lebt und arbeitet in Berlin), deren Bild „Carpe Noctem II“ (2018) vom Eingang her schon sichtbar ist und vollends in Choreografie und Gestaltung überzeugt. Besser könnte eine Entdeckermesse (O-Ton Jörgen Golz) nicht starten!

 

Tobias Stutz, Pavillon (C.D.Friedrich), 2018 (Galerie Augarde, Daun)

Mit der Auswahl ihrer Künstler überzeugt auch die Galerie Augarde aus Daun, die unter anderem Werke von Tobias Stutz (*1983, lebt und arbeitet in Bonn) und Kai Savelsberg (*1975, lebt und arbeitet in Aachen) präsentiert.

Fast schon gefühlsarm und kalt die architektonische Szene vom Erstgenannten und doch stimmungsvoll, wie nur wenige andere Bilder in Frankfurt. Im Gegensatz dazu die leicht verschwommene Frauengestalt vom Aachener, die wie eine halbverlorene Erinnerung wieder vorzudringen versucht.

Kai Savelsberg

 

 

Edvardas Racevicius, drei Skulpturen, o.J.

Der Greifswalder Künstler Edvardas Racevicius (*1974) ist ein alter Bekannter auf den Discovery Art Fair-Kunstmessen in Berlin und Köln. Zudem kennt man seine Werke aus zahlreichen Galerien. Wer sich bei seinen Skulpturen an Balkenhol erinnert fühlt, hat Recht. Balkenhol hat wie kein anderer fast schon monopolartig die menschliche Gestalt in der Holzskulptur besetzt. Zudem ist das schwarz-weiße Aussehen (Hose/Hemd) gleichfalls von ihm besetzt. Doch der litauische Künstler geht einen, wenn nicht zwei Schritte weiter: Er zerstört die Figur, lässt sie unvollkommen oder nimmt das Holz, wie es eben wächst. Erinnern diese Figuren also an diejenigen von Balkenhol? Auf jeden Fall! Sind es Kopien? Auf keinen Fall!

Richard Reuys, Kriemhild X, 2018

Ebenfalls vertreten ist der Aschaffenburger Künstler Richard Reuys (*1982), der nur wenige, dafür umso größere Bilder zeigt. Er behandelt in seinen Werken immer wieder Literatur, Religion, Sexualität, Gender, Politik und Gesellschaft.

Urs Bumke

Zu guter Letzt sei noch auf Urs Bumke aus Greifswald und Berlin verwiesen, der Kunst macht, die unter die Haut geht. Häufig sieht auf den ersten Blick freundlich aus, was einem beim zweiten Blick Schauer über den Nacken erzeugt. Hier spielt der Künstler gekonnt mit den Emotionen und Assoziationen des Publikums!

Das Berliner Team, der reiche Erfahrungsschatz dort, die Auswahl der Aussteller und der sehr gute Besuch zur Eröffnung lässt darauf hoffen, dass Frankfurt endlich wieder eine Kunst-Messe-Stadt ist. Es wurde allerdings auch Zeit, sind doch fast alle anderen großen Städte mit einer Kunstmesse versorgt (Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf, Leipzig, Essen, usw.). Glückwunsch an die hessische Main-Metropole – das Warten hat sich gelohnt!

 

Über Mathias Fritzsche 48 Artikel
Ein Thema jagt das nächste: Der Wochengipfel hält ein oder zwei Themen fest und bringt sie in Erinnerung. Was war vergangene Woche so wichtig, dass man Schnappatmung bekam und ist diese Woche dennoch schon vergessen? Oder über welche Nachricht hat man sich so gefreut, dass man auf den Balkon ging und die Nachricht für die ganze Welt in den Abendhimmel geschrien hat?