Ein Archivar der Eigenheiten

Wuppertal | bis zum 17.2.2019

Bogomir Ecker, Grax, 2010 (Foto Michael Richter)

Bogomir Ecker im Skulpturenpark Waldfrieden und in der Von der Heydt-Kunsthalle

Bogomir Ecker zählt vielleicht nicht zu den Namen, bei denen es gleich allen schrill in den Ohren klingelt. Und doch gibt es wohl nur wenige deutsche Künstler, die sich so flächendeckend in die Öffentlichkeit eingeschrieben haben wie der in Duisburg aufgewachsene Bildhauer und Fotograf. Das liegt zum einen daran, dass Ecker vor allem mit seiner bildhauerischen Arbeit vornehmlich den öffentlichen Raum als Bühne suchte. Zum anderen aber liegt das an dem besonderen Wiedererkennungswert seiner Werke. Vor allem die farbigen Kegelstümpfe, die er zu Gebilden aufschichtete, welche trotz ihres hohen Abstraktionsgrades etwas unerklärlich Persönliches an sich haben, sind sicherlich jedem im Gedächtnis, der sich nicht völlig blind für die Kunst durch die Städte bewegt.

Dass der Skulpturenpark Waldfrieden sich nun seiner Arbeit angenommen hat, ist entsprechend schlüssig, gehörte es doch in der Vergangenheit eindeutig zum kuratorischen Profil der Institution, eben solche Bildhauer-Größen zu zeigen, die gerade die öffentlichen Räume maßgeblich mitgestaltet haben. Und so sind in der oberen Halle noch bis in den Januar hinein zwei Werkgruppen von ihm zu sehen. Zum einen sind dies Skulpturen aus den letzten zehn Jahren in der unverkennbaren Formensprache Eckers. Der zentralere Baustein der Schau aber ist eine neue, stetig wachsende Werkgruppe aus teils unbehandelten und teils in Bronze und Aluminium gegossenen Akustikschaum-Matten, die der Künstler zusammengerollt, verdreht und zu runden Formen verdichtet hat. Der besondere Reiz der Installation liegt in einem Arrangement der einzelnen Stücke, die sich einem Orchester gleich um zentrale Aufstellflächen scharen. Zudem ist es das Spiel mit den unterschiedlichen und in der Ansicht doch nicht direkt unterscheidbaren Materialitäten, das eine Irritation über das Verhältnis von Vorbild und Abbild in Gang setzt.

Zeitgleich hierzu zeigt die Von der Heydt-Kunsthalle eine andere große Facette des Eckerschen Werks: Schon seit fast zwanzig Jahren wächst eine Sammlung von fremden, anonymen Fotografien aus dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts heran, die Ecker vornehmlich mit Pressefotos aus Auflösungen amerikanischer Tageszeitungen speist. Aus diesem Fundus bediente er sich, um die großen Tableaus und die Gruppen- und Reihenhängungen zu arrangieren, die sich derzeit in den hellen Räumen der Kunsthalle um ausgewählte und mit dem Skulpturenpark gut korrespondierende Installationen ausbreiten. Durch die sorgfältige Auswahl und das Zusammenbringen dieser sprechenden Bilder, jedes mit seiner ganz eigene Geschichte, entsteht ein übergreifendes Pseudo-Narrativ. Hier zeigt sich, dass es auch bei der Arbeit mit Fotografie ein skulpturales Anliegen ist, das den Künstler zu tragen scheint. Während das einzelne Foto nämlich voll und ganz in der Rolle des zweidimensionalen Abbildes bliebe, entwickelt es sich in der Kontextualisierung unter seinesgleichen weiter zu einem abstrakten inhaltlichen Gebilde und zu einer eigenständigen Form. So schließt sich bei Ecker ein Kreis zwischen Bild und Skulptur.

Bogomir Ecker. Skulpturen
bis zum 17.2.2019
Skulpturenpark Waldfrieden
Hirschstr. 12
D-42285 Wuppertal
Tel.: +49-202-47898120
Fr – So 10 – 17 Uhr
Eintritt: 12 €, erm. 9 €
www.skulpturenpark-waldfrieden.de

Bogomir Ecker. Was das Foto verschweigt
bis zum 17.2.2019
Von der Heydt-Kunsthalle
Geschwister Scholl Platz 4-6
D-42275 Wuppertal-Barmen
Tel.: +49-202-5636571
Di – So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 3 €, erm. 2 €
www.von-der-heydt-kunsthalle.de

Text: Julius Tambornino | Erstveröffentlichung in kunst:art 64
Bild: Skulpturenpark Waldfrieden