Kein Schönwetterimpressionist!

Hannover - Mainz - Saarbrücken | bis zum 24.2.2019

Max Slevogt, Nina im Kostüm einer Pierrette, 1926 (© GDKE/Landesmuseum Mainz / Max Slevogt-Galerie)

Max Slevogt in Hannover, Mainz und Saarbrücken

Am 8. Oktober jährte sich der Geburtstag von Max Slevogt zum 150. Mal. Gäbe es eine bessere Gelegenheit, das Depot auf den Kopf zu stellen und zu schauen, was es hergibt? Drei deutsche Museen haben die größten Slevogt-Bestände und alle drei richten mit großem Engagement jeweils eine Jubiläumsschau aus. Sinnigerweise haben die Ausstellungen unterschiedliche Schwerpunkte, so dass es sich lohnt, alle Ausstellungen zu besuchen.

Im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover widmet man sich dem Überblick über das gesamte Werk des Künstlers, der zwar als Impressionist gilt, den man aber differenziert betrachten muss. Die Direktorin des Landesmuseums, Frau Prof. Dr. Katja Lembke, sagt dazu: „Diese Ambivalenz, akademisch und antiakademisch zugleich zu sein, verhindert jede einseitige Einordnung und Klassifizierung des Künstlers – insbesondere auch als ein bloßer
Liebermann-Adept, als der er noch immer rangiert.“ Der Kurator Dr. Thomas Andratschke ergänzt: „Wir wollen Max Slevogt in unserer Schau neu entdecken und zeigen, dass er mehr war als nur ein Schönwetterimpressionist.“ Ein Anspruch, der zwar hoch ist, aber dennoch erfüllt wird. Anhand der Werke aus allen Schaffensperioden Slevogts und mit der Einbeziehung auch von Grafiken und Zeichnungen wird das ganze Spektrum des Künstlers offenbar.

Im Saarlandmuseum Saarbrücken widmet man sich Slevogt und Frankreich, einer für das Museum mit seiner geografischen Nähe zum westlichen Nachbarn und auch für Slevogt, der sich viel mit der französischen Kunst beschäftigte, naheliegenden Thematik. Slevogt reiste mehrfach nach Paris und war nicht zuletzt vom Werk Manets stark beeindruckt. Die Mutter von Max Slevogt stammte aus Saarbrücken, er selbst ist in Süddeutschland aufgewachsen. In der Pfalz lebte die Familie seiner Ehefrau, deren Hof er 1914 ersteigerte und ausbaute. Slevogt verbindet mit der Region also viel mehr, als dass sich in Saarbrücken und Mainz große Teile seines Werks befinden.

Die dritte Ausstellung wird vom Landesmuseum Mainz ausgerichtet. Der Titel „Ein Tag am Meer. Slevogt, Liebermann & Cassirer“ geht darauf zurück, dass ein Werk Slevogts, welches bislang unbekannt war, da es sich in Privatbesitz befand, kürzlich auftauchte (Max Slevogt, Skizze mit Flagge, 1908). Es entstand bei einem Aufenthalt im Strandhaus von Paul Cassirer im Sommer 1908 und zeigt den Blick von diesem Anwesen auf den Strand. Dort war Slevogt nur ein einziges Mal und malte eine Reihe von sechs Bildern. Diese galten bislang bis auf ein einziges Werk als verschollen. In den Vorbereitungen der Ausstellung konnte mehrere dieser Bilder, die sich ebenfalls in Privatbesitz befinden, wiederentdeckt werden. Zum Teil sind sie mindestens 80 Jahre lang nicht öffentlich zu sehen gewesen (zum Beispiel Max Slevogt, Strandbild mit Muschelfischer, 1908).

Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht 50 Jahre dauert, bis diese Schätze ein weiteres Mal in dieser Dichte gezeigt werden!

Max Slevogt. Eine Retrospektive zum 150. Geburtstag
bis zum 24.2.2019
Niedersächsisches Landesmuseum Hannover
Willy-Brandt-Allee 5
D-30169 Hannover
Tel.: +49-511-9807686
Di – Fr 10 – 17 Uhr, Sa + So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 10 €, erm. 8 €
www.landesmuseum-hannover.niedersachsen.de

Ein Tag am Meer. Slevogt, Liebermann & Cassirer
9.10.2018 – 10.2.2019
Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49 – 51
D-55116 Mainz
Tel.: +49-6131-28570
Di 10 – 20 Uhr, Mi – So 10 – 17 Uhr
Eintritt: 6 €, erm. 3 – 5 €
www.landesmuseum-mainz.de

Slevogt und Frankreich
bis zum 13.1.2019
Saarlandmuseum
Moderne Galerie
Bismarckstr. 11-15
D-66111 Saarbrücken
Tel.: +49-681-99640
Di – So 10 – 18 Uhr, Mi 10 – 20 Uhr
www.kulturbesitz.de

Text: Christian Corvin | Erstveröffentlichung kunst:art 64
Bild: Niedersächsisches Landesmuseum Hannover

Über Mathias Fritzsche 52 Artikel
Ein Thema jagt das nächste: Der Wochengipfel hält ein oder zwei Themen fest und bringt sie in Erinnerung. Was war vergangene Woche so wichtig, dass man Schnappatmung bekam und ist diese Woche dennoch schon vergessen? Oder über welche Nachricht hat man sich so gefreut, dass man auf den Balkon ging und die Nachricht für die ganze Welt in den Abendhimmel geschrien hat?