Die Kunst der Weltausstellungen

Kunstmuseum Ahlen und Marta Herford | bis zum 10.2.2019

Eric Schaal, Salvador Dalí painting one of the murals inside the "Dream of Venus", 1939

Reflexionen über eine Ausstellungsreihe

Man mag prächtige, prunkvolle oder innovative Architektur mit der Historie der Weltausstellungen assoziieren. Man denke nur an Bauwerke wie den anlässlich der ersten Weltausstellung im Jahr 1851 von Joseph Paxton erbauten Crystal Palace in London, den 1889 zur Pariser Ausstellung entstandenen Eiffelturm oder das 1958 errichtete Brüsseler Atomium. Zeitloses Mobiliar wie der Barcelona Sessel, der von Mies van der Rohe in Kooperation mit Lilly Reich für die Weltausstellung 1929 in Barcelona entworfen wurde, oder die von Alvar Aalto designten Armlehnsesseln aus den 1930er Jahren gehören auch zu den Errungenschaften der vergangenen Weltausstellungen. Neben Kunst und Design sind die Expos doch auch immer Leistungsschauen von technischer Innovation gewesen, auf denen etwa selbstfahrende Busse – wie 2005 in Japan – zu sehen und zu erleben waren.

Trotz allem ästhetischen Schein ging es beim Konzept der Weltausstellungen schließlich auch um internationalen Wettbewerb, um soziale, aber auch um politische Erfolge. Neben Technik und Wirtschaft standen in den Länderpavillons vornehmlich Traditionen, Kulturen, Sitten und Kunst zur Disposition. Beiträge zu den Weltausstellungen lieferten daher auch namhafte Künstler wie Pablo Picasso, Joan Miró oder Robert Delaunay. Sie fungierten sowohl als künstlerische Akteure als auch als länderpolitische Botschafter. Eines der bis dato wohl prominentesten Expo-Werke dürfte das 1937 entstandene monumentale Gemälde Picassos „Guernica“ sein, das im gleichen Jahr auf der Pariser Weltausstellung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Künstlerische Arbeiten wie diese belegen auf eindringliche Weise, dass der Auftrag nicht nur darin bestand, ein Land zu repräsentieren, sondern auch zu provozieren und auch entgegen dem staatlichen Auftrag zu handeln. Politisches Engagement zählte bei den Teilnehmern der Weltausstellungen ebenso zum Repertoire wie der Hang zum Spektakulären, ein Sinn für das Experiment und die Unterhaltung.

Die Kuratoren der aktuellen Doppelausstellung im Kunstmuseum Ahlen und Marta Herford spüren auch ein Phänomen der Massenkultur auf, indem sie auf die Simultanität von Versammlung und Zerstreuung während einer solchen Großveranstaltung aufmerksam machen. Denn Monumentalveranstaltungen haben den Effekt, Menschenmassen gleichzeitig zu versammeln und zu zerstreuen. Als „zerstreute Versammlung” setzen sich die Besucher der Weltausstellungen – analog auch jene von Disneyland oder anderen großen Freizeitparks – von politischen Massen ab.

Die Ausstellungsmacher von „Brisante Träume” haben keineswegs eine auf  Vollständigkeit angelegte Überblicksschau konzipiert. Aufgrund der Materialfülle, der schier unzähligen Beteiligten, thematischen Gebiete und historischen Zusammenhänge aus nunmehr 167 Jahren Expo-Geschichte fokussieren sie sich auf fünf richtungsweisende Veranstaltungen: Paris 1937, New York 1939/40, Brüssel 1958, Montreal 1967 und Osaka 1970.

Brisante Träume. Die Kunst der Weltausstellung
13.10.2018 – 10.2.2019
Marta Herford
Goebenstr. 2–10
D-32052 Herford
Tel.: +49-5221-9944300
Di – So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 8 €, erm. 4,50 €
www.marta-herford.de

Brisante Träume – Die Kunst der Weltausstellung
13.10.2018 – 10.2.2019
Kunstmuseum Ahlen
Museumsplatz 1 / Weststr. 98
D-59227 Ahlen
Tel.: +49-2382-91830
Mi – Fr 14 – 18 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 8 €, erm. 6 €
www.kunstmuseum-ahlen.de

Erstveröffentlichung in kunst:art 64 | Text Paula Wunderlich
Bild Marta Herford