Ehrlichste Farbe der Welt

2.3. – 7.7.2019 | Museum Moderner Kunst Wörlen Passau

Franz Bernhard, Kopf, liegend, 2011 (Foto Achim Kukulies)

„Der Mensch ist Ausgangspunkt, Stimulans und Ziel meiner Arbeit. Ich strebe kein naturgetreues Abbild an, sondern etwas wie ein antropomorphes Zeichen“, so der Bildhauer Franz Bernhard 1985. „Am Beginn meiner Arbeit stehen häufig Ideenskizzen, Zeichnungen, Modelle…, aber auch Versuche in Material. Es gibt kein Rezept. Keine Formel für die Herstellung einer Skulptur. Jedes Stück hat seine eigene Entstehungsgeschichte. … Die abgeschlossene Form ist für jedermann sichtbar, greifbar, nachvollziehbar, und sie bedarf im Grunde keiner Erläuterung.“ Vielleicht am machtvollsten illustriert die 13 Meter hohe „große Mannheimerin“ diese Philosophie des Bildhauers. Stämmig, kraftvoll und weithin sichtbar markiert sie den Eingang in die Stadt Mannheim.
Corten-Stahl gehörte zu den beliebtesten Werkstoffen Bernhards. Der Künstler, der 1934 in der Tchechoslowakei geboren wurde und 2013 in der Pfalz starb, mochte den rostigen Braunton, den der Stahl im Laufe der Zeit annimmt. Sie war für ihn die „vielleicht ehrlichste Farbe der Welt“. Auch mit Holz arbeitete er gern. Bernhards Plastiken verlieren nie den Bezug zur Wirklichkeit, auch wenn er sich durchaus Freiheiten nahm: „Ich lasse ein Bein weg, wenn es stört. Ich lasse den Kopf weg, wenn er stört. Ich mache aus kurz lang. Ich mache aus lang kurz. Ich beschäftige mich mit Abläufen von Formen, mit Abläufen verschieden schwerer Massen, mit Proportionen, mit Winkeln, mit Rhythmen.“ In Karlsruhe wird sich künftig ein Museum ausschließlich Bernhards Arbeiten widmen. Zuvor ist noch diese schöne Ausstellung seiner Skulpturen und Grafiken in Passau zu sehen.

Franz Bernhard. Skulpturen und Graphiken
2.3. – 7.7.2019
Museum Moderner Kunst Wörlen Passau
Bräugasse 17
D-94032 Passau
Tel.: +49-851-3838790
Di – So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 6 €, erm. 4 €
www.mmk-passau.de

Text: Sabine Scheltwort
Bild: Museum Moderner Kunst Wörlen Passau
Erstveröffentlichung in kunst:art 66