Rabe mit spitzer Feder

14.4. – 28.7.2019 | Hans-Thoma-Kunstmuseum

Paul Flora, Rabe, o.J.

In der Schule gefiel es ihm nicht: „Mein Desinteresse an der Schule war kaum zu übertreffen, aber immerhin habe ich die Matura gemacht.“ Glücklicherweise hatte man am Gymnasium in Innsbruck erkannt, über welche Begabung der 1922 geborene Paul Flora verfügte. Schwere Kriegsjahre folgten und das Studium an der Münchener Akademie „hat bei dem robusten Tiroler kein bleibendes Trauma hinterlassen“, so der Freund Wolfgang Hildesheimer, der ebenfalls das Gymnasium verabscheute. Floras zeichnerische Begabung ermöglichte ihm, kurz nach dem Krieg eine erste Ausstellung zu zeigen, 1947 folgte eine erste Ausstellung in Wien. Ab 1957 wird er 14 Jahre lang als Zeichner und Karikaturist allwöchentlich Blätter bei der Wochenzeitung „Die Zeit“ abliefern.

Er hat keine Lust, die Welt zu verbessern, das tun die Egoisten nicht, es reicht doch, dass er der Gesellschaft mit seinen Tierkreaturen spitze Stiche zufügt, denn was kann schon „schwarzer“ als ein schwarzer Rabe sein? Konvolute von Tuschezeichnungen, Radierungen und Lithographien sind so entstanden, in denen das Allzumenschliche leicht zum Allzutierischen werden konnte, vor allem nachdem Flora sich in jungen Jahren in Alfred Kubins Werk nach ihrer Morphologie umschaute. Das Widersprüchliche, das Vergehende, aber auch das, was er als kritikwürdig ansah, bildete die Grundlage der vielen Blätter, die sich in unzähligen Publikationen wiederfanden. Hermann Hesse, Friedrich Dürenmatt und Erich Kästner lobten sein Werk. Vor zehn Jahren ist Paul Flora 87-jährig gestorben. Er zeichnete bis zuletzt.

Floras Fauna
14.4. – 28.7.2019
Hans-Thoma-Kunstmuseum
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Eintritt: 5 €, erm. 2 €
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Text: Dr. Milan Chlumsky
Bild: Hans-Thoma-Kunstmuseum
Erstveröffentlichung in kunst:art 66