Kunst- und Naturschönes im Dialog

26.5. – 6.10.2019 | Kurpark Bad Homburg

Christian Scheffel ist ein erfahrener Galerist, der in und von Bad Homburg aus schon lange Jahre erfolgreich seine Geschäfte betreibt. Zudem ist er Gründer und Kurator der Biennale sowie Geschäftsführer der Stiftung Blickachsen, die alle zwei Jahre nicht nur den Kurpark Bad Homburgs mit zeitgenössischer Kunst bespielt, sondern auch an ausgewählten Orten in der Metropolregion Frankfurt – darunter das Kloster Eberbach und der Campus der Frankfurter Goethe-Universität – mit raumgreifenden Arbeiten Position bezieht. Titelgebend für die einzigartige Ausstellungsreihe sind die von Peter Joseph Lenné Mitte des 19. Jahrhunderts in der Gartenarchitektur des Bad Homburger Kurparks angelegten „Blickachsen“. Wichtig sei, dass die Kunstwerke in einen Dialog miteinander und mit ihrer Umgebung treten können, erklärt Scheffel das Konzept der Freiluft-Schau, die schon über zwei Jahrzehnte regelmäßig hunderttausende Besucher in die Rhein-Main-Region lockt.

Selbstverständlich könnte der Kurator die rund 30 Künstler, die in diesem Sommer dabei sind, auch aus seinem eigenen Programm rekrutieren, aber sein Konzept funktioniert anders. Das ist auch gut so. Um frische Impulse einzubringen, kuratiert der Galerist die Biennale gemeinsam mit einem jeweils wechselnden Partnermuseum oder Skulpturenpark. Vor zwei Jahren war es das Museum Liaunig aus Österreich. Konnte man 2017 noch Erwin Wurm und Fritz Wotruba entdecken, so stehen in diesem Jahr eben die Konzeptkünstler Yoko Ono und William Forsythe auf dem Programm. Denn die diesjährige Biennale hat Scheffel gemeinsam mit Elisabeth Millqvist und Mattias Givell gestaltet, dem Direktoren-Duo des schwedischen Skulpturenparks Wanås Konst. Scheffel sieht Wanås als idealen Partner für die Ausstellung: „Auch sie setzen an einem geschichtsträchtigen Ort auf das Zusammenspiel von zeitgenössischer Kunst und Natur.“ Die permanente Sammlung des Skulpturenparks im Süden Schwedens auf einem weitläufigen bewaldeten Gelände beherbergt Werke zahlreicher Künstler: von Marina Abramovic über Per Kirkeby bis hin zu Jeppe Hein oder Nathalie Djurberg & Hans Berg.

Mit dem schwedischen Partner bringt nun Yoko Ono ihre bekannten „Wish Trees“ in den hessischen Kurpark. Bei dem Projekt, das sie seit 1996 entwickelt, sind Besucher aufgerufen, ihre Wünsche auf Zettel zu schreiben und diese in eigens für den Ausstellungsort gewählte Bäume zu hängen. Das einer weißen Blütenpracht ähnelnde Blattwerk wird nach Ausstellungsende im „Imagine Peace Tower“ archiviert, zusammen mit Wünschen aus der ganzen Welt. Arik Levys Skulpturen sind von natürlichen Formen inspiriert und spiegeln zugleich die Landschaft je nach Perspektive und Jahreszeit in immer neuen Bildern. Dem Hauptausstellungsort angemessen ist auch die Arbeit der Schwedin Anne Thulin: Überdimensionale rote Bälle thematisieren in den hohen Baumkronen den permanenten Dialog von Kunst- und Naturschönem. Der kann mal mehr oder weniger diskret ausfallen. Auffallen wird bei einem Rundgang auf alle Fälle die Arbeit der finnischen Künstlerin Kaarina Kaikkonen. Ihre 100 Meter lange Installation aus gebrauchten Herrenjacketts überspannt die zentrale Brunnenallee.

 

Blickachsen 12
26.5. – 6.10.2019
Kurpark Bad Homburg
61348 Bad Homburg vor der Höhe
und weitere Standorte bis Frankfurt
Tel.: +49-6172-6811946
Weitere Infos und Standorte unter
www.blickachsen.de

Text: Stefan Simon
Bild: Kurpark Bad Homburg
Erstveröffentlichung in kunst:art 67