Italien an der Förde

15.6. – 1.9.2019 | Stadtgalerie Kiel

Silvia Giambrone, Sotto tiro / Unter Beschuss, 2013.

Italienische Kunst? Da werden die meisten hierzulande zunächst einmal an all die großen Namen aus Renaissance und Barock denken, allenfalls noch an de Chirico oder, aus unseren Tagen, an Mario Merz. Dass aber Italien auch heute noch ein Land ist mit einer quicklebendigen Kunstszene, ist weitaus weniger bewusst. Es ist das Anliegen der VAF-Stiftung, diese Wahrnehmung zu ändern. Gegründet wurde sie von dem in Mailand ansässigen deutschen Unternehmer Volker W. Feierabend und seiner italienischen Ehefrau Aurora. Das Ziel der Stiftung ist es, ein Forum zu schaffen für die italienische Kunst der Moderne, vor allem in ihrer aktuellsten Ausprägung. Grundstock ist eine Sammlung mit dem Schwerpunkt Italien, die die Stifter zunächst einmal als privat begeisterte Kunstfreunde zusammengetragen haben. Zur Professionalisierung und institutionellen Absicherung entstand daraus im Jahre 2000 die VAF-Stiftung, die nicht nur den Sammlungsbestand erhalten und kunsthistorisch bearbeiten sollte, sondern vor allem auch der Fortführung des selbst gegebenen Sammlungsauftrags in die Zukunft dienen sollte. Ein mäzenatisches Engagement also, das sich dem interkulturellen Dialog zwischen Deutschland und Italien verschrieben hat.

Flagschiff der Aktivitäten der Stiftung ist der von ihr ausgelobte Kunstpreis „Premio Fondazione VAF“. Er wird seit 2003 alle zwei Jahre an junge italienische Künstlerinnen und Künstler vergeben. Sein Ziel ist es, „innovative Positionen aktueller italienischer Kunst zu fördern und in Deutschland durch Verleihung eines Preises, durch Ausstellungen und Publikationen zu vermitteln“. Zum Programm gehört die doppelte Präsentation der Preisträger in je einer italienischen Kunstinstitution – heuer dem MART in Trento und Rovereto – und einem deutschen Haus. Verantwortlich für die Auswahl der Preisträger ist eine international hochkarätig besetzte Jury, besetzt mit prominenten Museumsleuten aus Deutschland, Italien und Ungarn. Sie hat sich 2019, für die nunmehr achte Auflage des „Premio Fondazione VAF“, für 19 Künstlerinnen und Künstler entschieden.

Die Wahl des deutschen Ausstellungsortes fiel diesmal auf die Stadtgalerie Kiel. Die Zusammenarbeit ist, seitens des Kieler Museums, logische Fortsetzung eines schon mit mehreren Ausstellungen bewiesenen Interesses an Kunst aus Italien. Und schon einmal, 2008, war der „Premio Fondazione VAF“ zu Gast an der Förde. Den diesjährigen Preis, dotiert mit 15.000 Euro sowie dem Ankauf eines Werkes seitens der Stiftung, erhielt Silvia Giambrone. Die 1981 im sizilianischen Agrigent geborene Künstlerin arbeitet bevorzugt in den Medien Performance, Installation, Video und Tonkunst. Der schon mit diversen Preisen ausgezeichneten Künstlerin geht es in ihrem Werk um die psychischen Strukturen, die in Unterwerfungsverhältnissen entstehen. Seit 2015 befasst sie sich mit dem familiären Umfeld in seiner charakteristischen Ambivalenz von Zugehörigkeit und Abhängigkeit.

 

Aktuelle Positionen Italienischer Kunst. VIII. Premio Fondazione VAF
15.6. – 1.9.2019
Stadtgalerie Kiel
Andreas-Gayk-Str. 31
D-24103 Kiel
Tel.: +49-431-9013400
Di – Fr 10 – 17 Uhr, Do 10 – 19 Uhr, Sa + So 11 – 17 Uhr
Eintritt frei
www.kiel.de/stadtgalerie

Text: Dieter Begemann
Bild: Stadtgalerie Kiel
Erstveröffentlichung in kunst:art 67

Über Dieter Begemann 70 Artikel
Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!