Der Weg ins Paradies

18.5. – 11.8.2019 | Museum für zeitgenössische Kunst – Diether Kunerth

Markus Lüpertz mit Sternzeichenzyklus (© Jack Kulcke)

Vor großen Vergleichen schreckt Markus Lüpertz nie zurück, große Namen beeindrucken ihn nur wenig. Privat fordert er auch Altanzler Gerhard Schröder im Skat heraus, beruflich wagt er sich an Themen, die nicht nur Künstler wie Nicolas Poussin und Kunsttheoretiker wie Erwin Panofsky schon vor ihm mit gewichtigen Beiträgen bedacht haben. „Et in arcadia ego“ spricht dann auch ganz große Themen an: Glück und Tod, Mensch und Natur.

Arkadien ist es also, wohin es den Malerfürsten in seiner Ausstellung im Museum für zeitgenössische Kunst Dieter Kuhnert zieht. Damit betritt der Malerfürst kein Neuland, seit langem befasst er sich immer wieder mit diesem Mythos. 2016 setzte er sich in seinem Buch „Arkadien. Oder: Die Abstraktion hat noch nicht begonnen“ mit den Mitteln der Zeichnung und der Poesie mit diesem Sehnsuchtsort auseinander, „(…) in dem Malerei und Bildhauerei noch vorkommen“, wie er dazu sagte. Und womit er die Ausdrucksmittel benannte, mit denen seine Arbeit wohl am ehesten in Verbindung gebracht wird. Im Museum für zeitgenössische Kunst Dieter Kuhnert nähert er sich Arkadien allerdings auf einem neuen Weg, für „Et in arcadia ego“ wählt er die Grafik. Doch lässt er auch hier in seinem aus der Malerei bekannten Krafteinsatz nicht nach, teilweise wurden die Druckstöcke mit der Bohrmaschine bearbeitet. In seiner Kunst ist die auch handwerkliche Auseinandersetzung mit dem Material ein nicht nebensächliches Element. Allein seit 2014 sind mehr als 20 Motive entstanden, die nicht nur von Arkadien erzählen, sondern ebenso von ihrem eigenen Werden.

Arkadien und die antike Mythologie hatten in der Zeit des Rokoko einen Stellenwert in der europäischen Kultur, den man mit der heutigen Bedeutung der Astrologie vergleichen könnte. Keine ernsthafte religiöse Bewegung, aber für viele auch aufgeklärte Bürger mit einem gewissen zumindest unterhaltenden Wert aufgeladen. Esoterisch allerdings ist Markus Lüpertz nicht zu diesem Thema gekommen, vielmehr hat er auf seine klassische Bildung als einen Schatz von Themen für ganz eigene narrative Werke zurückgegriffen. Ähnlich indirekt ist er auch zum Skulpturenzyklus der Sternzeichen gekommen, die in Ottobeuren ebenfalls Teil seiner Personalien sind. Oder vielmehr ist das Thema zu ihm gekommen, denn am Beginn dieser bildhauerischen Arbeiten standen die Werke selbst, die erst mit dem Entstehen weiterer Stücke zu einem Kreis gewachsen sind, in dem Lüpertz die Sternzeichen erkennbar macht.

Tatsächlich von sakraler Bedeutung ist ein dritter Teil der Schau im Museum für zeitgenössische Kunst. Acht Fenster mit Szenen aus dem Leben der Heiligen Elisabeth werden für die Kirche St. Elisabeth in Bamberg mit ihrem um 1400 fertiggestellten Chor geschaffen, die bis zu fünf Meter hohen Entwürfe sind in Ottobeuren zu sehen. Sie werden tatsächlich in den Kirchenbau in der fränkischen Stadt eingefügt werden, für das erste Maßwerkfenster konnte mit Hilfe eines eigens gegründeten Fördervereins bereits ein Vertag unterschrieben werden.

Markus Lüpertz. Et in arcadia ego
18.5. – 11.8.2019
Museum für zeitgenössische Kunst – Diether Kunerth
Marktplatz 14a
D-87724 Ottobeuren
Tel.: +49-8332-7969890
Di – Fr 11 – 16 Uhr, Sa + So 12 – 17 Uhr
Eintritt: 6 €, erm. 3 – 5 €
www.mzk-diku.de

Text: Jan Bykowski
Bild: Museum für zeitgenössische Kunst – Diether Kunerth
Erstveröffentlichung in kunst:art 67