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28.6. – 20.10.2019 | Kunsthaus Graz

Peter Kogler, Sujet Connected, 2019

Den öffentlichen Raum als Begegnung von künstlerischer Individualität und gesellschaftlichem Prozess aufzufassen, so könnte man die Besonderheit der künstlerischen Position von Peter Kogler beschreiben. Der 1959 geborene Österreicher ist ein Meister der Immersion: Kaum auszumachen, wo Wand, Decke oder gegebenenfalls auch Boden eines Raumes aufhören oder beginnen, wenn Kogler mit seinen per Tintenstrahldruck auf lange Papierbahnen aufgebrachten Motiven den Betrachter umgibt. Allover auch die Motive selbst: Wie ein pulsierendes, überall gegenwärtiges Geflecht von Blutgefäßen oder Nervenbahnen haben sie weder Anfang noch Ende und sind unendlich fortgesetzt zu denken.

Im Kunsthaus Graz hat Kogler (neben einem riesigen Werk auf der nach außen in den Stadtraum abstrahlenden Medienfassade) nun Gelegenheit, Fäden auch in die Vergangenheit zu knüpfen. „Connected“ ist das Projekt mit gutem Recht übertitelt, bringt es doch den modernen Pionier digitaler Bildwelten ins Gespräch mit historischen Vorläufern. Beispielsweise mit Fernand Léger, der mit dem Kameramann Dudley Murphy und dem Musiker George Antheil in den 1920ern ein sagenhaftes „Ballet méchanique“ entwarf. Die Synchronisation von 16 Pianolas sowie die rasende Geschwindigkeit stießen damals freilich an technische wie rezeptive Grenzen. Der Uraufführung folgten kaum weitere. Für die Grazer Ausstellung gibt es eine Neuinszenierung als Maschinenorchester ohne Spieler: Fahrende Bilder, Klänge im Stakkato und für den Ort arrangierte Lichtprojektionen formen eine Welt ständiger Bewegung.

Connected. Peter Kogler with …
28.6. – 20.10.2019
Kunsthaus Graz
Lendkai 1
A-8020 Graz
Tel.: +43-316-80179200
Di – So 10 – 17 Uhr
Eintritt: 9,50 €, erm. 3,50 – 8 €
www.museum-joanneum.at/kunsthaus-graz

Text: Dieter Begemann
Bild: Kunsthaus Graz
Erstveröffentlichung in kunst:art 68

Über Dieter Begemann 87 Artikel
Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!