Die Visualisierung des Klangs

17.10. – 17.11.2019 | Museum Art.Plus

Angela Bulloch, Elliptical Song Drawing Machine: Peacock Blue, 2018 (Court. the artist & Simon Lee Gallery, London, Foto Eberle & Eisfeld)

Die Donaueschinger Musiktage wurden 1921 ins Leben gerufen und sind das älteste und wohl auch renommierteste Festival für zeitgenössische Musik. Dort sind viele Meisterwerke der Moderne, unter anderem Werke von Igor Strawinsky, Pierre Boulez, György Ligeti, Karlheinz Stockhausen, erst aufgeführt worden. In Donaueschingen wurde und wird stets experimentiert, die Spielstätten sind zugleich Labor, das vielen Entwicklungen im 20. Jahrhundert den Weg gewiesen hat. Tradition hat auch die Plakatgestaltung durch einen bildenden Künstler. Seit 1963 entwerfen zum Teil sehr prominente Künstler Plakate für die Musiktage, unter ihnen Juan Miró, Gerhard Richter, Anselm Kiefer und Tracy Emin. Das diesjährige Plakat zeigt ein Werk von Angela Bulloch. Die 1966 in Kanada geborene und in Großbritannien aufgewachsene Künstlerin hat mit der „Song Activated Drawing Machine“ ein Konzept geschaffen, bei dem Musik und Bild unmittelbar zueinander finden. Bullochs „Song Activated Drawing Machine“ hört Musik und setzt sie in eine malerische Bewegung um. So entstehen elliptische Zeichnungen als Reaktion auf das Gehörte. Das Motiv des diesjährigen Plakats zeigt die Maschine bei der Arbeit. Die Maschine hört die Komposition „Heavy Metal Hercules“ für sechs Bassgitarren von Angela Bulloch und Augustin Maurs. Soweit zum Plakat, das auf die renommierte Veranstaltung für zeitgenössische Musik hinweist.

Im Gegensatz zu ihren bekannten Kollegen, die zuvor die Plakate entworfen haben, ist Bulloch, die zur Riege der „Young British Artists“ zählt und in den unterschiedlichsten Medien arbeitet, jedoch selbst mit ihren Maschinen als Programmpunkt bei den Musiktagen vertreten. In Bullochs Ausstellung im Museum Art.Plus stehen die Konstruktion und ihre Bilder im Mittelpunkt. Angela Bulloch, die an der HFBK Hamburg Zeitbezogene Medien lehrt, interessiert sich vor allem für Systeme, Muster und Regeln. Die in Donaueschingen ausgestellten Zeichenmaschinen („Song Activated Drawing Machine“) reagieren auf den Klang von Musik. Während dem Betrachter der Ton vorenthalten bleibt, wird er jedoch Zeuge, wie sich Musik visualisiert. Björn Gottstein, künstlerischer Leiter der Donaueschinger Musiktage: „Angela Bulloch ist eine Künstlerin, die ihren Werken mit großer konzeptioneller Stringenz eine ungeheure pointierte Klarheit verleiht. An der ‚Song Activated Drawing Machine‘ fasziniert mich die Tatsache, dass einerseits Klang und Bild in einem engen Zusammenhang stehen. Und trotzdem sagen die Zeichnungen auch etwas darüber aus, dass Klang und Bild eigentlich nie zueinander finden können.“ Und wie sieht das die Künstlerin? „Natürlich favorisiere ich die Musik für die Liedermaschine, die ich selbst bevorzuge, ich glaube nicht, dass die Maschine irgendwelche Vorlieben hat“. So hat sie ganz unterschiedliche Stücke ausgesucht, um damit die Maschine zu füttern. „Die Stücke habe ich vor allem ausgewählt, weil ich sie mag, aber auch weil sie ganz unterschiedliche Zeichnungen erzeugen. Wenn eines nach dem anderen gespielt wird, ergibt sich durch die verschiedenen Stücke eine Art Muster“. (beide Zitate von Angela Bulloch)

 

Angela Bulloch
17.10. – 17.11.2019
Museum Art.Plus
Museumsweg 1/Ecke Josefstr.
D-78166 Donaueschingen
Tel.: +49-771-8966890
Mi – Fr 13 – 17 Uhr, Sa + So 11 – 17 Uhr
Eintritt: 6 €, erm. 4 €
www.museum-art-plus.com

Text: Stefan Simon
Bild: Museum Art.Plus
Erstveröffentlichung in kunst:art 69