Zeitweilig verzogen

Schaudepot

Thomas Baumhekel, Sächsischer Landtag V, aus der Serie: Die Farblehrer, 2012

Der Standort war auch ein Statement und fast schon Teil des Konzeptes. Die Nürnberger Straße 49 lag in dem Teil Berlins, in dem sich Hegenbarth nicht nur gern aufhielt, sondern der auch oft Schauplatz seiner Werke wurde. Damit hatte der 1962 verstorbene Zeichner und Grafiker einen sechsten Sinn für die Zukunft, denn ganz in der Nähe, im Bikini-Haus, sollte sich 2016 der Trend zu Kunst auf Papier wiederum manifestieren, als die erste Ausgabe der Messe paper positions hier stattfand. Allerdings kann es auch ein Nachteil sein, zu sehr im Trend zu liegen. Die erst 2014 an ihrem bisherigen Standort eröffnete Sammlung Hegenbarth konnte im Berliner Immobilienmarkt zuletzt keine Verlängerung des Mietvertrages erzielen, ein Umzug stand an. Am 2. September 2019 schließlich soll an neuem Standort wiedereröffnet werden, wenn auch in etwas verändertem Rahmen. Zwar ist auch der Stadtteil Friedenau, in dem die neue Adresse Laubacher Straße 28 sein wird, ein kulturell durchaus aufgeladener Ort, nicht nur Erich Kästner und Günther Grass haben hier zeitweise gewohnt, sondern auch Karl Schmidt-Rottluff.

Doch für die Hegenbarth-Stiftung wird für größere Veranstaltungen in den neuen Räumen kein Platz mehr sein. Statt eines musealen Ausstellungsraumes wird es hier, in einem ladenlokalähnlichen Objekt im Erdgeschoss, eher ein Schauarchiv geben. Dabei ist es Sammlungsleiter Christopher Breu wichtig, dass die Sammlung Hegenbarth weiterhin eine öffentliche Institution bleibt und nicht nur als Studienraum verfügbar ist. Für kleinere Gruppen werden auf Einladung auch hier Ausstellungs-Schautermine zusammengestellt werden können. Und durch den geschäftsartigen Standort können auch ganz neue Präsentationsformen ausprobiert werden, etwa eine Projektion auf das Schaufenster, so dass die Kunst Josef Hegenbarths zumindest in kleinen Dosen auch von der Straße aus genossen werden kann.

Auf jeden Fall werden die kommenden Projekte nur wenige Stücke umfassen. Zur Wiedereröffnung nach dem Umzug ist schon eine Arbeit von Thomas Baumhekel geplant, der gegenwärtig mit zwei Leihgaben aus der Sammlung Hegenbarth in der Schau „Point of No Return“ im Museum der bildenden Künste in Leipzig zu sehen ist. In Berlin-Friedenau wird er in einer Collage aus historischen Briefmarken seine Reihe der bisherigen fünf Zusammensetzungen des Sächsischen Landtages fortsetzen und damit natürlich auch die politisch farblichen Verschiebungen sichtbar machen. Ein glücklicher Zufall, dass ausgerechnet am Tag vor der Eröffnung Landtagswahl in Sachsen sein wird. Denn trotz üblicher Verzögerungen wird dieser Termin von der „neuen“ Sammlung Hegenbarth eingehalten werden, da ist sich Christopher Breu sicher. Und auch für die weitere Zukunft hat er schon Pläne. So muss die Laubacher Straße für die Sammlung ebensowenig ein dauerhaftes Domizil sein wie für die anderen großen Namen in der Geschichte Friedenaus. Vielmehr kann er sich vorstellen, mit anderen privaten Sammlungen zusammenzuarbeiten und ein gemeinsames, dann wieder musealeres Gebäude in Berlin zu finden.

 

Hegenbarth Sammlung Berlin
Schaudepot
Laubacher Str. 38
D-14197 Berlin
Tel.: +49-30-23609999
Mi 12 – 17 Uhr u.n.V.
Eintritt kostenfrei
www.herr-hegenbarth-berlin.de

Text: Jan Bykowski
Bild: Schaudepot
Erstveröffentlichung in kunst:art 69